Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart
’) Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen, I. Band, pag. 276. allenthalben stattfanden. Dieselben waren jedoch bei den kaiserlichen Truppen durch „Fouragir-Ordnungen und Disciplin-Puncta“ geregelt und der wohl noch rohe Kriegsgebrauch möglichst gemildert. Im Allgemeinen war die Verpflegung wieder in eine Sommerund eine Winterverpflegung getheilt. Während bei letzterer noch immer die Bestimmungen der Verpflegs-Ordonnanz vom Jahre 1640 galten, dass die Quartierträger den Soldaten per Kopf täglich 2 Pfund Brod, 1 Pfund Fleisch, 1 Mass Wein oder 2 Mass Bier zu verabreichen und das Land per Pferd täglich 6 Pfund Hafer und 8 Pfund Heu, ferners wöchentlich 40 Pfund Stroh beizustellen hatte, war die Sommerverpflegung ausschliesslich auf die Abgabe von Brod aus den Magazinen beschränkt. Die übrigen Naturalien, also hauptsächlich Fleisch und geistige Getränke, mussten von den Truppen selbst im Wege der Fleischhauer und Marketender beschafft werden, zu welchem Zwecke nach der Verpflegs-Ordonnanz vom Jahre 1697 Officiere und Mannschaften bestimmte monatliche Geldbeträge, der Gemeine der Infanterie 2 fl., jener der Kürassiere und Dragoner 2 fl. 30 kr. erhalten sollten. Dieser Victualienhandel stand unter Aufsicht und war durch Satzungen geregelt. Nur in gänzlich ressourcearmen Ländern wurde von den Kriegs- Commissären in den „Ordinari- oder Feldproviant-Magazinen“ auch Schlachtvieh bereit gehalten. Die Pferde erhielten im Sommer, so lange grüne Fouragirung möglich war, gar kein Hartfutter, oder solches nur in geringem Ausmasse und auch wohl während eines ganzen Feldzuges gar kein Heu. Die contractliche Massenlieferung an das Proviantamt, respective an die Magazine war am gebräuchlichsten. Wenn nun auch für die Verpflegung im Felde im Allgemeinen dadurch besser gesorgt war, als in der vorhergehenden Epoche, dass die Errichtung von Magazinen angestrebt und, wo nur immer möglich, auch durchgeführt wurde, so ergaben sich auch jetzt aus verschiedenen Ursachen vielfache Übelstände. Die Hauptursache der ungenügenden Vorbereitung für die gesicherte Verpflegung war das chronische Übel des Geldmangels. „Die Ungunst der Verhältnisse zwang den Staat, sich bei der Geldbeschaffung verschiedenen Banquiers, Lieferanten und Zwischenhändlern in die Arme zu werfen, welche ihn zu immer gewagteren Finanz-Operationen und dadurch zu völligem Ruin im Geldwesen führten. Namentlich der Tod des Hofjuden und Oberfactors Samuel Oppenheimer hatte 1703 eine förmliche Handelskrise in Deutschland und in den Erbländern zur Folge, welche die Finanzen des kaiserlichen Staatswesens gänzlich lahm legte *).“