Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart
Ton der Zeit des 30jälirigen Krieges bis zur Gegenwart. 263 werden, davon aber die Officierer von den Regimentern in der Cam- pagna oder Feldzug nichts zu prätendiren, in Unsern I. 0. Landen 40 Pfunt Haber. Dass Wir zur Verschonung der Wies’ und Feld- Früchte den Officieren und Regimentern in den Guarnisonen und Posten ausser der Campagna oder Feldzug (weillen sich dieselben ohne rauhes Futter nicht behelfen können) das gewöhnliche Heu und Stroh oder ordentlich Gras, Item Dero passierlichen Bagage-Pferd gleichergestalt das Heu oder ordentlich Gras passiert“. Je nach dem innehabenden Chargengrade wurde den Officieren und der Mannschaft eine feststehende Anzahl von Mund- und Pferd- Portionen zugesprochen und wurde dieselbe auch noch in den späteren Verpflegs-Ordonnanzen mit geringen Variationen beibehalten. Dass trotz dieser hohen Gebührssätze auf allen Kriegsschauplätzen, namentlich auf dem ungarischen, oft die bitterste Noth eintrat, beweisen unzählige Klagen, welche die Acten des Kriegs-Archivs enthalten. Einen haarsträubenden Eindruck ruft aber besonders der Bericht des Ober-Kriegs-Commissärs Ferdinand von Sturm an das General-Kriegs-Commissariat, ddo. Neusohl, 11. December 1684 über die Noth des Oberst Detvin’schen Corps auf dem Marsche von Gran nach Szt. Benedek hervor. „. . . massen mir das unaussprechliche Elend und Brotsnothdurft der Armee bekannt war, und mit Augen gesehen habe, dass aus Hungersnoth bei die 3000 Menschen auf diesen Marsch crepirt sind; ein Comiss Laibl bereits zu 3 Reichsthaler kostet und nicht mehr zu bekommen wäre; guten Theils denen Officieren das Rossfleisch aus Hungersnoth schon wohlschmeckend wurde; die gemeinen Musketiere wie Raben auf das Aas und längst todt geweste Pferde fielen, die Wurzeln aus der Erd und von denen Bäumen essen, Ja, — wie der Fürst von Salm, GW. Steinau und Obrist Detvin mich sinceriret, dass etliche Musketiere einen verstorbenen Dragoner, — ein Musketiersweib aber, einen Arm ihres Kinds gefressen habe“ '). Eugen’s che Zeit1 2). Die aus dem 30jährigen Kriege stammenden Anschauungen und Grundsätze fanden in dieser Periode schon bedeutende Änderungen, welche namentlich darin bestanden, dass die Beischaffung des wesentlichsten Bestandtheiles der Feldverpflegung, nämlich des Brodes, Sache der Armeeverwaltung war. Es gelangten daher auch Magazine für Brodfrüchte, mitunter auch für Hartfutter der Pferde zur Errichtung. Das Contributionswesen war nur auf feindliches Gebiet beschränkt, während Fouragirungen 1) Kriegs-Archiv 1684. 2) Siehe Fehlzüge des Prinzen Eugen von Savoyen, I. Band, pag. 273 bis 285. 18*