Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart
*) Solchen, traurige Zustände beleuchtenden Bericht schreibt auch Monte- cuccoli am 15. Juli 1664 an den Kaiser Leopold I., „das Land sei derart ausgesogen, dass auch nicht ein Graserl zu finden, und der Feind auch genöthigt ist, auf 5 bis 6 Meilen aus seinem Lager zu fouragiren und selbst das Laub von den Bäumen zu nehmen“. Und noch im selben Monate schreibt er nach dem Marsche von Mura-Szombat nach St. Gotthard, während welchem bei 1000 Mann in Folge Mangels zu Grunde gingen, an den Kaiser: „Ich hoffe, dass es nun endlich doch zu einer Hauptschlacht kommen werde, gestalten wir continuirlich mit des Feindes Armee in denen Wachten und Scharmutzieren gegen einander stehen, also dass der Soldat ganz keine Buhe und die geringste Zeit, was zu dreschen, zu mahlen, noch zu backen haben kann.“ Kriegs-Archiv 1664; Fase. VII, 203. *) Kriegs-Archiv 1618; Fase. VII, 123. Durch derartige Emanationen trachtete Wallenstein den oft übertriebenen Forderungen zu steuern. So erzählt Gindely in seiner Geschichte des 30jährigen Krieges, III. Abtheilung, von einer Ausschreibung, die ein kaiserlicher Rittmeister im Jahre 1627 in der Grafschaft Schwarzburg machte und die weit über die Vielseitigkeit unserer heutigen Kostportion hinausgeht. Er verlangte ausser einem ansehnlichen Geldbeträge für sich und für jede seiner Compagnien wöchentlich 300 Scheffel Hafer, 10 Fuder Heu, 10 Fuder Stroh, 6 Scheffel Korn, 4 Scheffel Weizen, 5 Scheffel Gerste, ein Stück Rindvieh, 2 Mastschweine, 2 Kälber, 4 Schöpse, 15 Gänse, 20 Kapauner, einen halben Centner Fisch, ebensoviel Butter und 200 Stück Eier. Das Princip: der Krieg soll den Krieg ernähren, kam zur vollen Anwendung. Unumschränkte Requisition oder eigentlich Nehmen der Ver- pflegsbedtirfnisse — war also das damalige System der Erhaltung der Heere und dieses System drückte der ganzen Kriegführung seinen Stempel auf. Man nahm, wo und was man fand, und zog dann weiter. Die Freiheit und Raschheit der Bewegung war nicht durch Rücksichten auf Basirung gehemmt. Hingegen führte dies System den Ruin der Länder herbei *), was wieder von entscheidendem Einflüsse auf die Operationen sein musste. Erst im letzten Jahre dieser langen Kriegsperiode wurde von Kaiser Ferdinand III. am 21. Juli 1648, „um den zwischen Unsern getreuen Ständen und der Soldatesca bishero wegen der Sommer- Verpflegung vorgefallenen Streitigkeiten und den darüber von einer und anderer Seite vorgebrachten Klagen ein Ende zu machen“, eine „Sommer Ordinanz“ herausgegeben*). Nach derselben sollte „das Prot zwar alle Tag völlig, das Fleisch und der Wein oder Pier aber wöchentlich nur dreymahl geraicht, also dass eine Portion wöchentlich zu erstehen ist auf 14 Pfunt Prot, 3 Pfunt Fleisch, 3 Viertl Wein oder 6 Viertl Pier, nach Unterschied der Länder. Zugleich soll auf ein Dienst Pferdt wöchentlich geraicht