Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart

von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart. 261 In der angeführten Zeit erhielten die nach Ungarn bestimmten kaiserlichen Truppen der Armee Wallenstein’s während der Märsche in Schlesien vom 13. bis 30. August Brod zu 2 Pfund, Wein, Bier, Rindvieh, Schafe und Hafer. Seit dem 2. September, wo die Armee in Olmütz fasste, bis zum 5. December, kommt in der Vormerkung nur noch zweimal die Ausgabe von Fleisch und einmal von Wein vor. Hingegen enthält dieses Protokoll aber auch die Bemerkung, dass beispielsweise zwei Regimenter vom 2. bis 8. September keinen Pro­viant erhielten. Derlei Fälle haben sich, nach vielen im k. k. Kriegs-Archive erliegenden Acten und den meisten, die Geschichte des 30jährigen Krieges behandelnden Druckwerken, öfters wiederholt und scheinen in den Jahren nach Wallenstein’s Tode allgemein geworden zu sein. So lange Wallenstein an der Spitze des Heeres stand, suchte er durch strenge Mannszucht diesen Unordnungen und ihren Folgen zu steuern. „Ehender wenig und gehorsam als viel und undisciplinirtes Volk“, war ein Ausspruch des berühmten Heerführers, den er auch bei jeder Ausschreitung durch oft drakonische Mittel erhärtete. „Seht wohl auf, damit Ihr’s nit mit Euren Köpfen zahlet, denn mein Brauch ist nicht, eine Sache zweimal zu befehlen“ *). So lässt Wallenstein an den im Stifte Halberstadt einquartierten Obersten (Colloredo ?) schreiben: „— Als wird Er, wie wir ihm dann hiemit vermahnet haben wollen, bei seinem unterhabenden Regiment die ernstliche Verfügung thun, dass weder Befehlshaber, noch Soldat die Haushaltungsnothdürfte nicht verwahrlost, weniger an den Saat-Saamen, Pferd und Viehzucht sich vergreifen oder einigen Schaden in ein und anderen zufügen sich unterstehen möchte“ *). Oder ein von Wallenstein an alle Regiments-Commandanten er­lassener Befehl: „ — Zur Verhütung von Unordnungen haben sich dahin sament- lich zu vergleichen, dass kein einziger Mann sich aus den Quartieren begeben möge oder solle, ohne allein dieselbigen, welche von denen Partheyen seyn werden, die mit denjenigen Officieren, der damahlen dazu verordnet umb die Fourage auszureissen haben. Was aber als­dann die Mittel auf die Fourage auszugehen und die Vivres zu suchen belanget, soll jegliches mit Vorwissen und Bewilligung des Herrn Feld-Marschallen beschehen und zu denen Fouragierern jederzeit ein Haupt verwendet werden, als welches mit guter Ordnung und Dis- ciplin die Parteyen anweisen solle“ 3). ') Hallwich I. Band, Brief 239. a) Kriegs-Archiv 1626; Fase. II, 3 a. 3) Kriegs-Archiv 1626; Fase. XII, 2. Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1885. 18

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