Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
244 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. hinter dem Thore eine unbezwingliche Barricade zu errichten. — Diese unbedacht begonnene Unternehmung, durch welche die Stadt Essegg vollständig in Asche gelegt wurde, kostete den Kaiserlichen beti’ächt- liche Opfer. Am meisten verlor das Regiment Lothringen, von welchem zwei Hauptleute (Graf Lodron und Justin), ein Fähnrich und viele Soldaten getödtet wurden. Graf Leslie Hess den zwecklosen Angriff einstellen und ordnete für den nächsten Tag (15. August) den Rückmarsch an. Noch während desselben erhielten die Truppen die Nachricht von dem Siege des Herzogs von Lothringen bei Gran und der vollständigen Auflösung der türkischen Hauptarmee. In den Berichten vom 23., 26. und 30. August erbat der Feldmarschall auf das Dringendste Verstärkungen für sein Corps. Könnten ihm solche rechtzeitig gesendet werden, so würde er nicht allein die ganze Brücke bei Essegg zerstören und diesen wichtigen Platz definitiv behaupten, sondern auch die Operationen auf das rechte Ufer der Save verlegen. Die erbetenen Verstärkungen trafen leider nicht in genügender Anzahl und nicht zu dem gewünschten Zeitpunkte ein. Von noch grösserer Tragweite war aber der Umstand, dass der Feldmarschall im Anfänge des Monats October erkrankte, das Interims- Commando an den FML. La Verne übertragen und sich zur Heilung nach Kopreinitz begeben musste. General La Verne verhielt sich für den Rest des Jahres vollständig passiv. Fast gleichzeitig mit der Expedition Leslie’s gegen Essegg hatte der Banus Nicolaus Graf Erdödy mit croatischen National-Truppen einen Streifzug nach Bosnien unternommen. Anfangs unschlüssig, ob er seinen Marsch gegen Kostajnica oder das etwas schwächere Dubica richten solle, entschied sich Erdödy, da er mit Geschützen nicht hinlänglich versehen war, für den Angriff auf letzteres. Er brach am 23. August mit 4000 Mann und nur 100 Reitern auf, passirte in der Nacht auf Kähnen die Save und erschien nach einem viertägigen, mühevollen Marsche vor Dubica. Die Croaten durchwateten die fast wasserlose Una und bemächtigten sich der auf der Flussseite mauerlosen Stadt, welche sie unter blutigen Metzeleien plünderten und sodann in Brand steckten. Da ein Angriff auf das Schloss ohne Geschütz unmöglich schien, gingen die Croaten wieder über die Una und längs derselben zurück, wurden jedoch von der Besatzung, die mittlerweile aus Kostajnica, Jasenovac und Gradiska Verstärkungen erhalten hatte, bald lebhaft verfolgt und angegriffen. Erdödy trieb nach einem längeren, heftigen Gefechte, in welchem er sieben türkische Feldzeichen erbeutete, den Feind in die Una. Während die türkische Besatzung den abziehenden Croaten nachgesetzt hatte, war auch das Castell vom Feuer ergriffen und bis auf den Grund zerstört worden. Der Banus, welcher mit seiner gewonnenen Beute den weiteren Rück