Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 239 Kaiser „auss gewiss: und erheblichen Ursachen“ die Obriste-Feld- wachtmeister Cai’affa, Gondola, Taaffe, Mercy, Prinz Ludwig von Pfalz-Neuburg, Stadel, Souches und Scherffenberg zu Feldmarschall- Lieutenants, dann die Obriste Fürst Montecuccoli, Piccolomini, Yeterani, Heissler, Wallis, Beck, Aspremont und Württemberg zu General-Feld­wachtmeistern ernannt, zugleich aber befohlen habe, „dass die aniezo promovierte sich mit der Ehr: und promotion vergnügen, und für diese Winterquartier, mit der vorhero gehabten Gage, und Besoldung contentiren sollen, damit bey dieser ohne dass schwäre Zeith wenigist für dieses Jahr solche ersparung könne genossen werden“ *). Am 2. October erhielt die Armee die freudenvolle Kunde von der Geburt des Erzherzogs Karl (später Kaiser Karl VI ), aus welchem Anlasse bei derselben, „unter mehrmahliger Lösung aller Stuckhen“, ein festliches Te Deum gefeiert wurde. Noch an demselben Tage brachen die Bayern aus dem Lager auf, und zwar trat ihre Reiterei den Marsch nach der Heimat an, während die Fuss-Regimenter nach verschiedenen Grenz-Garnisonen abrückten. Zwei Tage später (4. October) wurden auch der Train und die Geschütze nach den Grenzplätzen disponirt. — Achmed Aga, der aufdringliche Friedensbote, stattete in Szalka wiederholte Besuche ab. Er ei’schien am 16. September mit der Anfrage, ob aus Wien noch keine Mittheilung über das dahin vor­gelegte Schreiben des Seraskiers eingetroffen sei, wurde aber ohne jeden Bescheid wieder entlassen. Als er am 29. September zum dritten Mal in das kaiserliche Lager wollte, verwehrten ihm die Wachen den Einlass. Die sehr geschmolzene Armee passirte am 6. October die Gran und lagerte unweit Kernend, wo sie fünf Tage blieb. Hier erhielt der Herzog zahlreiche Nachrichten, welche übereinstimmend dahin lauteten, dass die Partei Thököly’s in voller Zersetzung und Auflösung begriffen sei und der tapfere Petneházy mit 700 Insurgenten sich dem Kaiser unterworfen habe. — Begleitet von dem General Dumont, begab sich Lothringen (9. October) über die Donau nach Gran, um die an der Festung vorgenommenen Reparaturen zu besichtigen. Während der kurzen Abwesenheit des Oberbefehlshabers hatte sich Achmed Dschelebi neuerdings in Kéménd eingefunden und durch die Lager­wachen um eine Audienz bitten lassen (10). Diese wurde ihm gewährt. Der Herzog erklärte ihm in derselben, dass der Befehlshaber der Armee niemals zum Friedensvermittler ausersehen werden würde. Wenn der Kaiser den Antrag des Seraskiers überhaupt einer Beant­wortung würdigen sollte, wüssten die Functionäre des Monarchen ganz wohl, welchen Weg sie hiezu einzuschlagen hätten. Als der Aga klagte, dass ihm, dem Vertrauten und Abgesandten eines hohen ') K. k. Hofkammer-Archiv.

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