Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

240 Der Feldzug gegen die Türken im Jalire 1G85. Würdenträgers, unhöflich und mit Geringschätzung begegnet werde, erinnerte ihn Lothringen an die schmähliche Behandlung, welche vor wenigen Jahren der Graf Albert Caprara, obwohl Abgesandter des römischen Kaisers, von Seite der Türken hatte erdulden müssen. Am 11. October verhess die Armee Kéménd und trat den Marsch nach Neuhäusel an, wo sie am 13. eintraf. Noch während des Marsches hatten sich die Lüneburger von den übrigen Truppen getrennt und den Heimweg eingeschlagen. — Neuhäusel wurde bereits vortrefflich reparirt und wieder in vertheidigungsfähigem Zustande vorgefunden. — Die schwäbischen und fränkischen Regimenter setzten am 15. den Marsch über die Insel Schütt nach Österreich fort. Von den Truppen des fränkischen Kreises wurden die Bamberg’ und Würzburg’schen Regimenter Thüngen und Truchsess in kaiserliche Dienste genommen, dem Dragoner-Regimente Heitersdorff und zwei Regimentern zu Fuss aber Winterquartiere in Schlesien angewiesen *). Der Kaiser hatte inzwischen die Auflösung der Hauptarmee angeordnet und die vor­gelegte Präliminar-Repartition der Winterquartiere genehmigt. Nach der letzteren sollten alle Truppen der operirenden Armeen in Ungarn überwintern, mit Ausnahme der Regimenter Pálffy, Taaffe, Monte- cuccoli, Pace, Saurau, Savoyen, Leslie, Baden und Lothringen. Der Herzog verhess Neuhäusel am 16. October, um über Komorn und Raab nach Wien zu reisen. Am 17. erschien Achmed Aga zum fünften Mal mit Depeschen und eilte, da er Lothringen in Neuhäusel nicht mehr antraf, diesem nach Komorn nach. 5) Die Operationen im Süden. Feldmarschall Jacob Graf Leslie, Präsident des innerösterreichi­schen Hofkriegsrathes, hatte sich ziemlich frühzeitig zu seinem Corps begeben. Er liess die Drau wie im Vorjahre überbrücken, beschränkte sich aber dann auf die Absendung kleinerer Abtheilungen, welche bis vor Kanizsa streiften und dem Feinde vielen Schaden thaten, später aber mit dem besten Erfolge zur Einziehung verlässlicher Nachrichten über den Vormarsch der Armee des Seraskiers verwendet wurden. Auf grössere Unternehmungen durfte sich der Feldmarschall nicht einlassen, da seine regulären Truppen tief unter ihrem Stande, die Regimenter Herbeville und Montecuccoli aber noch im Anmarsche begriffen waren und, ebenso wie die Recruten, erst im Juli erwartet werden konnten. Der Hofkriegsrath hatte es Leslie freigestellt, mit dem veneziani­schen General Valiero in Cooperation zu tretenä). Letzterer hatte * 2 ') Registratur des Reiclis-Kriegsministeriums. 2) Erlass vom 9. Juli 1685. — Registratur des Reichs-Kriegsministeriums.

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