Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

232 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. Armee zu ralliiren vermochte, entschloss sich der tapfere Ibrahim zum Rückzüge gegen Ofen, auf welchem ihn die ungarischen Reiter noch vielfach belästigten. — Eine energische Verfolgung der, nach verschiedenen Richtungen auseinander gelaufenen Türken musste aber unterbleiben, da die Truppen Lothringen’s durch die Märsche und Strapazen der letzten Tage zu sehr ermüdet waren. Der Sieg bei Gran war ebenso vollständig und glänzend, als schnell und leicht erkauft. Die Kaiserlichen erbeuteten das feindliche Lager, einen Theil des vor Gran benützten Belagerungs-Materiales, 24 Geschütze, mehrere Mörser, 50 Fahnen, viele Bomben, Kugeln und andere Munition. Das Hauptresultat des Kampfes vom 16. August, das den Siegern nicht ganz 100 Mann an Todten und Verwundeten gekostet hatte, bestand jedoch in der Rettung der Festung Gran und in der voll­ständigen Auflösung der türkischen Armee. Mit den Trophäen wurde der Prinz Karl von Pfalz-Neuburg an den Kaiser abgesendet, welchem damals eine seltsame Glückslaune an drei unmittelbar auf einander folgenden Tagen die Nachrichten von den Siegen seiner Truppen bei Gran, Essegg und Neuhäusel zukom­men liess. Der Herzog blieb am 16. August auf der Wahlstatt stehen und hielt hier das Te Deum. —Er armirte und proviantirte Gran, mit welchem Platze er sich schon vor der Schlacht in Verbindung gesetzt hatte, durch einen Theil der gemachten Beute und ging, da eine Vor­rückung gegen Ofen oder Stuhlweissenburg nicht in seiner Absicht lag, am 17. mit der Armee nach Újfalu zurück, wo der Churfürst von Bayern mit der gesammten Reiterei den Strom passirte, während die Infanterie am 18. August nach Szöny weiter marschirte. Von hier aus berichtete Lothringen an den Kaiser: „Nach vorgestern beschehener Abreis des Prinz Karl von Neuburg seint verschiedene überlauffer von dem Feind anhero khommen, deren die Maiste Polackhen seint, so ainhellig des Feinds Grosse Consternation, wie auch den Tott des Osman Bascha aus Egypten bestätigen, ainige sagen auch das der Seraschier an dem Fuess verwundet worden. Gestern in dem March so Ich auff der Wahlstatt gemacht, habe Ich die Totten ab- zehlen lassen, deren anzalil nach bericht der Jenigen, so zu recogno- sciren geschickht waren, sich auf 1500 belauffet. Gestern nach ein und andern zu Gran gemachten anstalt, hat Euer Kayl. Mayt. Armee sich zu Újfalu, alwo die schliffbrüggen geschlagen, gelagert, von dannen wir heundt aufgebrochen: und hat der Churfürst aus Bayern mit der völligen Cavallerie und linkhen Flügel sambt denen Ltine- burg’schen Troppen zu Fuess und zu Pferdt die Donau passiret: und Campiren Zwischen Zsitva und Komorn. Ich aber sambt Euer Kay. Mayt. völligen Infanterie, neben der Chur-Cölln, und Bayrischen, wie

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