Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 233 auch des frankhischen und schwäbischen Craisses habe mich eine Meil von Komorn an den Morast zu Szöny gelagert; von dannen Ich zu Komorn die Donau passiren, und also gleich die Troppen sament- licli werde, umb Euer Röin. Kayl. Mayt. Erblanden bis nach Steier Markh, oder Oestreich diessseits der Donau zu bedeckhen, Campiren lassen, umb anbey auch wegen Neuhäusel ob Wacht zu haben, alwoh Ich mit aigener Person mich zu erheben gedenkhe“'). Seit den letzten Tagen hatten bei den Regimentern Krankheiten einzureissen begonnen, welche besonders die Auxiliar-Truppen, denen Klima und Sumpfluft doppelt schädlich waren, hart mitnahmen. Ein Theil der Erkrankten fand später in dem neuen Spitale in Pressbui-g Aufnahme, dem der Herzog von Lothringen ansehnliche Schenkungen zufliessen liess. Überläufer, welche sich noch immer zahlreich ein­fanden, brachten die Nachricht, dass die allgemeine Flucht der türkischen Armee hauptsächlich durch die Pascha von Ofen und Stuhlweissenburg gehemmt worden sei, obwohl diese entschlossenen Männer nicht hatten verhindern können, dass einzelne Abtheilungen bis nach Essegg ausrissen. Am 19. überbrachte Oberstwachtmeister Fürst Piccolomini die Meldung von der Erstürmung von Neuhäusel und gleichzeitig berichtete Oberst Heissler, der mit seinem Detachement von Komorn nach Párkány marschirt war, dass Neográd in Flammen stehe und die Türken das Geschütz aus diesem Platze fortschaffen Hessen. In Folge der ersteren Nachricht begab sich der Herzog am 20. August aus dem Lager bei Komorn nach Neuhäusel, um diese Festung zu besichtigen und für deren Herstellung und Armirung Sorge zu tragen. Er ernannte den Obersten Aspremont zum provisorischen Commandanten des Platzes und übertrug die Reparatur der zerstörten Werke dem Ingenieur-Oberstwachtmeister Kleinwächter von Wachtenberg. Gefangene, die am 21. August eingeliefert wurden, erzählten, der Seraskier habe das eroberte Visegrád bis auf den Grund zerstören lassen und lagere gegenwärtig mit 30.000 Mann bei Ofen. Am folgen­de Tage wurde von glaubwürdiger Seite (ungarischen Geschäfts­leuten) dem Herzoge mitgetheilt, dass Ibrahim Scheitan, nachdem er vorher die meisten seiner Unterbefehlshaber stranguliren lassen, über die Donau gegangen sei und zwischen Pest und Waitzen stehe. Der­selbe, so hiess es, wolle Neográd, das ein Blitzstrahl in Brand gesetzt haben sollte, wieder herstellen. Diese Nachrichten brachten den Herzog zu dem Entschlüsse, mit der vereinigten, siegesfreudigen Armee, die am 23. August durch das vor Neuhäusel entbehrlich gewordene Corps Caprara’s verstärkt ') Bericht dilo. Feldlager hei Szöny am 18. August 1685. — Grossherzogliche Archiv in Karlsruhe und k. k. Kriegs-Archiv.

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