Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

228 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685­herüber genommen, weillen dieselbe an diesem orth nichts mehr nuzen können, und bey einer Attagge verlo'nrene Leute waren. Bey Über­sendung dieser Amonition, Bitte umb einen Guten Artollerie-Officirer, Weillen der hiesige Feuerwerker sehr Krank danider ligt, damit ein ander seine Scharge versehen kann, Auch seind gar zu wenig Haupt­leute hier, von den Salmischen liegt Einer Krank, Einer ist durch den Kopf geschossen, und von dem Baadischen Regiment ist der Haubtmann Wildenhann heunt in der Mittagsstundt todtgeschossen worden, Meine Krankheit verhindert nichts an Meinem Commando“1). Am 8. August ging die Armee auf zwei Schiffbrücken über die Donau, was den ganzen Tag in Anspruch nahm. Auch der Weiter­marsch gegen Gran ging nur langsam vor sich, da der sumpfige Boden und die in Folge des Erscheinens feindlicher Reitertruppen angeordnete Gefechtsbereitschaft die Vorrückung ausserordentlich ver­zögerte. Die kaiserlichen Truppen hatten hiebei die Eintheilung auf den beiden Flügeln der zwei Treffen. Der linke Flügel und die Avantgarde standen unter den Befehlen des Churfürsten von Bayern. Am 9. August lagerte die Infanterie erst bei Almás, die Caval- lerie unweit Totis. An diesem Tage traf der Rest der Garnison von Visegrád (130 Mann) unter dem verwundeten Commandanten Bischofs­hausen und begleitet von einer schwachen türkischen Escorte bei der Armee ein. — Vor Visegrád waren bereits am 12. Juli 2000 Janitscharen erschienen, welche sich aber nach der Recognoscirung des Platzes wieder zurückgezogen hatten. Am 22. Juli waren gegen 9000 Mann vor das Schloss gerückt und hatten schon nach 24 Stunden aus mehreren schweren Geschützen das Feuer eröffnet. Von grösserer Wirkung als die Beschiessung, war aber der gleichzeitig begonnene Minenkrieg gewesen. Ein fester Thurm, der auf seiner Plattform drei Geschütze trug, war von den Belagerern gesprengt und hiebei auch die Cisterne beschädigt worden. Obwohl die Besatzung seither an Wasser Mangel gelitten, hatte Bischofshausen die Vertheidigung fortgesetzt, bis zwei Drittheile seiner Soldaten gefallen oder ausser Gefecht gebracht worden waren. Ei’st nach einem Widerstande von 12 Tagen hatte Bischofshausen am 4. August gegen freien Abzug capitulirt. Am 10. liess die Armee ihren Train bei Almás zurück, passirte, auf der Strasse über Neszmély vorrückend, das Defilé, welches der Strom und die an ihn nahe herantretenden Berge bilden, und lagerte am Abende bei Újfalu (Neudorf). Seit Mittag hatten die Truppen deutlich wahrnehmen können, wie das Geschützfeuer vor Gran an Heftigkeit nachliess. Beim Beginne der Dämmerung verstummte der Kanonendonner gänzlich. __ __ » *) *) Bericht ddo. Gran, 6, August 1685. — Grossherzogliches Archiv in Karlsruhe und k. k. Kriegs-Archiv.

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