Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1G85. 229 Am nächsten Tage (11.) wurde der Weitermarsch wegen der Nähe des Feindes unter ganz besonderen Vorsichtsmassregeln angetreten. 150 Pferde bildeten dieVorhut, welcher fünf kaiserliche Bataillone mit einigen Feldstücken nachfolgten; hieran reihte sich der linke, an diesen der rechte Flügel. In dieser Ordnung rückte die Armee unter wiederholten, leichten Scharmützeln der Vortruppen bis an den Sumpf vor, welcher sich bei Táth von der Donau bis an die, den Strom zur Rechten begleitenden Höhen erstreckte. In der Nacht traf ein Bote aus Gran ein, welcher bestätigte, dass der Seraskier gestern die Belagerung des Platzes aufgehoben habe, die seit der Nacht vom 30. auf den 31. Juli mit allem Nachdruck betrieben worden war. Seinen Mittheilungen nach, hatten die Türken während des Kampfes vor Gran an 3000 Mann ihrer besten Truppen eingebüsst und noch am 10. durch einen Ausfall des Oberstlieutenants Strasser, viele Leute verloren. An dem Moraste bei Táth (jetzt fast ganz ausgetrocknet) blieben die beiden Armeen durch einige Tage ziemlich unthätig einander gegenüberstehen. Der Herzog von Lothringen, der bereits das Defilé zwischen Újfalu und Almás im Rücken hatte, durfte nicht daran denken, im Angesichte des Feindes den fast unpracticablen Morast zu überschreiten. Auch fehlten ihm sichere Nachrichten über die Begebenheiten vor Neuhäusel und er musste besorgen, dass ihn der Seraskier durch einen raschen Uferwechsel vom Corps Caprara’s abschneiden könnte. Um dieser Eventualität möglichst zu begegnen, liess der Herzog eine der Schiffbrücken von Komorn nach Újfalu herabführen. Der Oberbefehlshaber, welcher seinen Hauptzweck, den Entsatz von Gran, bereits erreicht hatte, unternahm am 13. wieder eine Recognoscirung des Morastes, wobei es zu mehreren Scharmützeln mit Abtheilungen feindlicher Reiterei kam. Die Armee des Seraskiers hatte sich indessen ebenfalls dem Moraste genähert, ihr Lager verschanzt, einige dominirende Höhen in Besitz genommen und Anstalten getroffen, den Sumpf an vier Stellen zu überschreiten. Lothringen, der nichts sehnsüchtiger wünschte, als den Gegner über den Morast zu locken und ihm diesseits desselben eine Schlacht anzubieten, beschloss den Rückmarsch gegen Újfalu und liess diesen am 15. nachdem Eintritte der Dunkelheit antreten. Kaum hatte der Seraskier, welcher die kaiserliche Armee sonderbarerweise nur auf 20.000 Mann schätzte, diese Bewegung Lothringen’s bemerkt, als er unmittelbar an den Sumpf vorrückte, sich daselbst in den Boden einzuschneiden begann und sogar einen auf der Seite der Kaiserlichen gelegenen Hügel occupirte. Die zurückgedrängten Vorwachen sollten von den, auf dem linken Flügel eingetheilten Dragoner-Regimentern Castell und Savoyen aufgenommen werden, wobei es geschah, dass letztere, von den Tataren mit Übermacht angefallen, selbst in das Gedränge gericthen. Da die Mittheilungen des k, k. Kriegs-Archivs. 1885. IG