Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im .Jahre 1685. 219 Der Seraskier Hess das Gerücht verbreiten, dass die türkische Hauptarmee auf beiden Ufern der Donau vorrücke und von derselben ein Brückenschlag bei der St. Andreas-Insel in Aussicht genommen sei. Der 30. und 31. Juli wurde von den Angreifern dazu benützt, die beschädigte Batterie herzustellen, die Geschütze auf neue LafFeten zu heben und den Grabendamm zu erneuern. Am 30. wurde ein grösserer Schaden durch die Geistesgegenwart eines herzoglichen Pagen verhindert, welcher einen, in der Batterie haften gebliebenen Brandpfeil mit beiden Händen ergriff und aus den vertrockneten Faschinen herausriss. •— An diesem Tage brachten Huszárén die Nach­richt, dass der Seraskier mit 40.000 Mann und einigem Belagerungs­geschütz vor Gran erschienen sei und den Platz eingeschlossen habe. Auch wurde ein Schreiben Thököly’s aufgefangen, in welchem dieser vom Seraskier Truppen zum Schutze von Eperies, das General Schulz zu belagern begonnen hatte, oder den Entsatz von Neuhäusel forderte. Oberst Heissler wurde hierauf zur Beobachtung des Feindes mit 1500 Pferden nach Komorn detachirt. Der Herzog hatte seine Entschlüsse bereits gefasst. Da in den letzten Tagen des Monates Juli der grösste Theil der Auxiliar- Truppen bei der Armee eingetroffen war und der Rest demnächst erwartet werden konnte, fühlte sich Lothringen stark genug, um dem Seraskier mit einem Theile der Armee bis vor Gran entgegenzugehen, ohne die Belagerung von Neuhäusel unterbrechen zu müssen. Alle erforderlichen Details wurden in vertraulichen Besprechungen zwischen dem Herzog und dem Churftirsten von Bayern festgestellt; 15.000 bis 16.000 Mann sollten vor Neuhäusel verbleiben, der Rest der Armee aber zum Entsätze von Gran aufbrechen. — Da Waldeck das Commando über das zurückbleibende Belagerungs-Corps abgelehnt hatte, wurde hiefür der Feldmarschall Caprara in Aussicht genommen. Am 1. August Nachmittags unternahm die Besatzung einen Aus­fall gegen die im Schanzgraben bei der Bastion Ernst beschäftigten Arbeiter und tödtete deren gegen 50 Mann, darunter einen Haupt­mann und zwei Lieutenants. Oberstlieutenant Baron Gallenfels vom Regimente Beck, ein Hauptmann und viele Soldaten wurden schwer verwundet. Ungeachtet dieses neuerlichen Unfalls rückten die beiden Faschinendämme an diesem Tage wieder bis in die Mitte des Grabens vor und zeigte der Wall bereits gangbare Breschen, welche aber den Belagerern nutzlos blieben, da deren Verbauung durch den Feind nicht verhindert werden konnte. — Gegen Abend begab sich der General-Adjutant Graf Lamberg im Aufträge des Herzogs nach Wien, um dem Kaiser über die gefassten Entschliessungen Bericht zu erstatten. — Oberstlieutenant Strasser meldete aus Gran, dass gestern (31. Juli) der Feind mit 3000 Pferden den Platz recognoscirt und sodann den Thomasberg mit 3000 Janitscharen besetzt habe. Ein aus der türkischen

Next

/
Oldalképek
Tartalom