Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
220 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. Gefangenschaft entlaufener Soldat machte die glaubwürdige Mittheilung, dass der Seraskier über 45.000 bis 50.000 Mann, 7 schwere Geschütze, 2 Mörser und 24 Feldstücke verfüge. Am 2. August arbeiteten die Angreifer mit günstigem Fortgange an den beiden Grabenübergängen. Hiebei wurde General Graf de Souches, der die Soldaten aneiferte, durch einen Schuss in den Hals schwer verwundet. -— Auch am folgenden Tage (3.) schritten, während 200 Ungarn den am 1. August verschütteten Abzugsgraben in Ordnung setzten, die Grabenarbeiten so rüstig vorwärts, dass binnen 48 Stunden das Ansetzen des Mineurs gewärtigt werden durfte. Der cölnische Oberst Bourdorff wurde erschossen; die übrigen Verluste waren hingegen an diesem Tage gering. — Aus Gran blieben alle Nachrichten aus, da die Türken die Umschliessung des Platzes bereits vollendet hatten. Am 4. langten 4000 Mann cölnischer Truppen im Lager an. Die Belagerungsarbeiten beschränkten sich an diesem Tage auf die Erweiterung der Grabenübergänge und die Aushebung von Circumvallations- Linien, mit welchen letzteren erst vor wenigen Tagen begonnen worden war. Ein Bote, welcher nur mit Lebensgefahr aus Gran hatte entkommen können, brachte ein Schreiben des Oberstlieutenants Strasser, in welchem dieser meldete, dass er, „um dem Feindt das logement auff dem Glassis der Contrescarpen zu verhinderen, auf diesen einen Aussfall gethan, durch welchen zwei Hundert türckhen geplieben sein sollen *)“. Am 5. August wurde unter der Leitung des Prinzen von Croy der Grabenübergang des rechten Angriffes nahezu vollendet. Auch wurde mit dem Baue von drei Breschbatterien begonnen, deren grösste, in der Mitte der dritten Parallele befindlich, aus 25 Geschützen bestehen sollte. Die beiden kleineren Batterien am Rande des Grabens sollten gegen die inneren Facen der angegriffenen Bastione wirken und zusammen 12 Geschütze aufnehmen. — In der Nacht kehrte Lamberg zur Armee zurück und überbrachte zwei Schreiben des Kaisers, in welchen dieser die Ansicht aussprach, die Belagerung von Gran sei nur eine Demonstration und vom Feinde deshalb unternommen, um den grösseren Theil der Armee von Neuhäusel abzuziehen und sich sodann mit Übermacht auf das zurückgebliebene Corps zu werfen. Lothringen berichtete hierauf, unter Berufung auf das erwähnte Schreiben des Oberstlicutenants Strasser am 6. August an den Kaiser, „dass der Feindt die tranchementen nicht allein schon geöffnet habe, sondern auch die Vöstung mit 4 grossen Stuckhen beschiessen und mit 4 Mörsern Bomben einwerffen thuet; Gestern abends auch ist ein Rätz anhero von des Feindts Läger khommen, Welcher saget, dass die Tyrckhen nicht mehr weith gewesen währen von denen Palisaten ') Köder von Diersburg, 1. Band, Seite 139 u. f.