Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 217 Lieutenant verwundet; die Anzahl der gefallenen oder verwundeten Soldaten ist nirgends angegeben. Oberst Heissler kehrte am 24. Juli mit den Köpfen von fünfundvierzig erlegten Türken und vielen Gefangenen in das Lager zurück. Er hatte im Vereine mit dem Grafen Czobor den Feind geworfen und zugleich in Erfahrung gebracht, dass die Pascha von Erlau und Temesvár noch immer zwischen der Gran und Eipel stünden, hingegen ein Corps von 4000 Tataren Waitzen besetzt halte und der Seraskier am 22. mit 40.000 Mann in Ofen angekommen sei. Auch Major Őrlik konnte am 24. Juli melden, dass er den Rebellen im Thuroczer Comitate eine Schlappe beigebracht und ihnen Fuhrwerke und Viehherden abge­nommen habe. Er fügte bei, dass Gombos in Liptau ebenfalls mit gutem Erfolge gegen die Insurgenten gefochten habe und nun den Marsch zu dem Corps des Generals Schulz antreten werde *). Für die Belagerer von Neuhäusel war der 24. Juli ein Tag des Missgeschickes. Beim Austheilen der Munition entzündete sich ein Pulverfass und tödtete oder verwundete 14 kaiserliche Soldaten. Gegen 9 Uhr Abends setzten 200 Janitscbaren in Kähnen über den Graben und schlichen sich, begünstigt durch das hohe Gras, an eine halb­fertige Redoute, welche die schwäbischen Truppen zur Sperrung des Wiener Thores angelegt, mit 300 Mann besetzt und durch eine in der Nähe aufgestellte Reiterwache von 100 Mann gedeckt hatten. Da diese Posten aber die Vorsicht so ausser Acht gelassen hatten, dass sogar die Schildwachen schliefen, tödteten die Türken 1 Oberstlieutenant, 1 Hauptmann, 1 Lieutenant und 120 Soldaten und spiessten deren abgeschnittene Köpfe am nächsten Morgen als Siegeszeichen auf dem Walle auf. Am 25. eröffneten die Contrebatterien auf den Flügeln das Feuer gegen die Flanken der gegenüber liegenden Bastione. Da in letzter Zeit ununterbrochen 600 Mann an der Vertiefung des Abzugsgrabens bei der Bastion Ernst gearbeitet hatten, war das Wasser im Graben so beträchtlich gefallen, dass mit der Herstellung von zwei Faschinen- Dämmen begonnen werden konnte. Der Damm vor dem Angriffe zur Rechten wurde auf die Mitte der rechten Face der Bastion Forgach, jener vor dem Angriffe zur Linken auf die Mitte der linken Face der Bastion Böhmen gerichtet. — Ein vehementer Ausfall der Besatzung brachte zwar den Grabenarbeiten der Kaiserlichen wenig Schaden, kostete aber eine namhafte Anzahl von Officieren und Soldaten. Unter den Schwerverwundeten befanden sich ein Lüneburg’scher Oberst­lieutenant, ein Ingenieur und zwei Volontärs. In Folge des fast unaus­gesetzten Feuers barsten den Kaiserlichen mehrere Geschütze, und zwar meist solche, die erst jüngst in Linz gegossen worden waren. — *) Registratur des Keichs-Kriegsmmisteriums.

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