Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 211 hierauf die Communicationen auf der Insel Schütt und begab sich am 15. nach Komorn, wo ihm Brodhändler aus Kecskemét mittheilten, dass die Festung Ofen sich wieder in gutem Zustande befände, und die Breschen entweder reparirt, oder wenigstens durch Palissaden gesperrt seien. Zwei Tage später (am 17.) traf Lothringen in Párkány ein und ertheilte sogleich die Befehle zur Beschleunigung der Truppen­märsche und zur Herstellung einer Schiffbrücke bei Komorn. Im Lager waren erst 12.000 Mann Kaiserliche angelangt, über welche der Herzog am 18. und 19. Revue hielt. Der Prinz von Hannover wurde nach Surány an der Neutra detachirt, um mit den lüneburgischen Truppen dieBlokade von Neuhäusel gegen Norden zu decken. Der Herzog hatte sich ohne bestimmte Verhaltungsbefehle zur Armee begeben, weil der Kaiser die Meldung über den Zustand der Truppen ab warten und dann erst die Dispositionen für den Feldzug ertheilen wollte. Die Eindrücke, welche der Oberbefehlshaber im Lager empfing, waren keineswegs sehr günstige. Die braunschweig - lüne­burgischen Truppen waren zwar in der denkbar besten Verfassung, nicht aber die Kaiserlichen, welche die Recruten noch nicht an sich gezogen hatten, sich deshalb tief unter dem Sollstande befanden und deren Infanterie hinsichtlich der Ausrüstung manchen Wunsch übrig liess 4). Unter solchen Verhältnissen erschien der Beginn der Feindseligkeiten vor mindestens 14 Tagen unmöglich. Bis dahin aber konnte die überlegene feindliche Hauptarmee, welche mit dem Seraskier Ibrahim Scheitan bereits bei Essegg eingetroffen war, schon viel zu nahe sein, um für dieses Jahr noch Gedanken an Belagerungen feind­licher Plätze auf dem rechten Donau-Ufer aufkommen zu lassen. Aus diesen Gründen sandte Lothringen (am 21. Juni) den General Pálffy nach Wien und liess durch diesen um die Bewilligung ansuchen, Neuhäusel, das der bisherigen Blokade widerstanden hatte, belagern zu dürfen. Die Zeit bis zur Rückkehr Pálffy’s wurde trefflich benützt. Der Herzog liess durch den Oberstlieutenant Baron Gail das Schloss zu Visegi’ád inspiciren und — wahrscheinlich veranlasst durch dessen Meldungen — einen Wechsel in der Person des dortigen Commandanten vornehmen. Bischofshausen, bisher Befehls­haber in Gran, erhielt das Commando in Visegrád und wurde in Gran zuerst durch den Oberstlieutenant Baron Gail vom Regimente Mannsfeld, dann durch den Oberstlieutenant Strasser vom Infanterie- Regimente Salm ersetzt, welch’ Letzterer das Vertrauen Lothringen’s bald in glänzender Weise rechtfertigte. Einige Fortificationen in Gran ') Am 20. Juni befanden sicli bei Párkány erst folgende Truppen: Reiterei: Sachsen-Lauenburg, Caprara, Dünnewald, Pálffy, '/a Gondola, Mercy, Piccolomini, Heissler, Pfalz-Neuburg, Götz und Lodron; Infanterie: Starhemberg, Mannsfeld, Baden, ^ Metternich, Scherffenberg und Souches. — Grossherzogliches Archiv in Karls­ruhe und k. k. Kriegs-Archiv.

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