Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

212 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. gelangten noch rasch zur Vollendung. Das Glacis und ein bedeckter Weg am inneren Grabenrande wurden hergestellt; das Pai’apet am Schlosse, sowie die äussere Batterie auf dem grossen Thurme, ver­stärkt. Die Besatzung von Gran wurde auf 2000 Commandirte, 300 Mann von Salm und Lubomirslci und 400 Ungarn, zusammen also 2700 Mann vermehrt '). — Visegrád erhielt als Garnison 300 Deutsche und 400 Ungarn. Der Herzog von Lothringen besichtigte am 22.a) die Werke von Gran und den Morast bei Táth und unternahm am folgenden Tage die Recognoscirung der Strasse nach Visegrád und der Gran- und Eipel-Übergänge. Die Nachrichten, welche er hiebei über den Feind einzog, lauteten übereinstimmend, dass in Ofen bereits ansehnliche Streitkräfte vereinigt seien, und Anstalten zu einem Brückenschläge über die Donau getroffen würden. Die Ankunft des Seraskiers bei Essegg stand ausser Zweifel, dagegen waren aber die Gerüchte über die Bewegungen der Insurgenten und jene über die Ankunft eines starken Janitscharen-Corps in Belgrad unbestimmt und wider­sprechend. Zusammenstösse mit dem Gegner standen, wenn dieser schon von Essegg aufgebrochen war, in Bälde zu erwarten und doch war der Zustand der eigenen Armee noch immer kein solcher, dass den Ereignissen mit Ruhe hätte entgegengesehen werden können. Die (am 24.) neu eingerückten Regimenter3) waren ebenfalls tief unter dem Sollstande und in einer Beschaffenheit, welche den Herzog veranlasste, an den Kaiser zu schreiben, dass „vor allen Dero Fussvolkh in Einem schlimmeren standt, alss ess noch niemahlen gewesen ist, so lang ich die Ehre habe Euer Kayl. Mayt. zu dienen, sowohl an der Guette, alss an der Zahl“4). Eine weitere Schwierigkeit erwuchs für den Oberbefehlshaber aus dem Verhalten des Prinzen von Hannover, der gegen jede Theilung der trefflich ausgerüsteten lüneburgischen Truppen protestirte. Da die Möglichkeit noch vorhanden war, sich vor dem Erscheinen der feindlichen Hauptarmee eines kleineren Platzes durch Handstreich zu bemeistern, begab sich der Herzog, nachdem er das Interims- Commando dem Feldmarschall Caprara übertragen hatte, am 25. Juni zur Recognoscirung nach Neográd, wobei ihn die Generale Scherffen- *) *) In Gran befanden sich 30 Geschütze verschiedenen Calibers. — Journaux des campagnes etc. 2) An diesem Tage trafen das Kürassier-Regiment Taaffe nnd die Infanterie- Regimenter Pfalz-Neuburg und Beck im Lager ein. -— Journaux des campagnes etc. 3) Es waren dies Caraffa-Kiirassiere, Castell-Dragoner und die Infanterie-Regi­menter Grana, Kaiserstein und Houchin. ■— Journaux des campagnes etc. 4) Bericht ddo. Lager bei Párkány, 2i. Juni 1685. — Grossherzogliches Archiv in Karlsruhe und k. k. Kriegs-Archiv.

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