Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 203 wichtigen Verfügungen erst vom Kaiser gedrängt werden. War doch Leopold I. veranlasst, noch am 26. April 1685 an den Markgrafen zu schreiben, „dass viel Zeit verloren wird und Ich sorge, Sie (die Truppen) nicht in termino auf den rendezvous werden kommen können, also schon spät im Jahr, gebe Gott, dass wir nicht mit Allen zu spät kommen, dann mit suppositis werden wir wenig realia praestiren“ *). Uber die Eigenschaften des Markgrafen Hermann waren schon seine Zeitgenossen im Klaren und besonders treffend erscheint das Bild, welches Domenico Contarini, der Botschafter Venedigs, in seinem Berichte an die Republik vom 29. November 1685 von ihm entrollta). Noch mühevoller wie die Completirung der Regimenter war die Beischaffung der nothwendigen Feld- und Belagerungsgeschütze, der Munition, der Bespannungen, Fuhrwerke, Kriegsbrücken, Schiffe und überhaupt aller jener unzähligen Gegenstände, welche eine Armee in actionsfähigen Stand versetzen und darin erhalten. Der spanische Stückgiesser und Feuerwerker Don Antonio Gonzales wurde mit der Herstellung von Geschützen und Munition beauftragt und scheint dieser Aufgabe langsam, jedoch zur Zufriedenheit des Kaisers entsprochen zu haben. Die Errichtung einer neuen Mineur-Compagnie wurde dem Ingenieur Megrini (Megrigny) übertragen und gleichzeitig dem Salzamte in Gmunden die Weisung ertheilt, in der Grttnau und in Scharnstein 20 ganze und 20 halbe Czaiken fertig stellen zu lassen, welche aber nicht armirt zu werden, sondern lediglich zur Nachführung des Proviants auf der Donau (zunächst bis Komorn) zu dienen hätten. In den Alpenländern wurde die Anwerbung von Schiffsleuten und Flössern angeordnet, lieferte aber kein genügendes Ergebniss. Auch die 40 Czaiken trafen erst in Wien ein, als die Operationen bereits ihren Anfang genommen hatten. — Bemerkenswerth erscheint der von dem Italiener Giacomo Fustinioni gestellte Antrag, zwei bis drei armirte Segelschiffe unter kaiserlicher Flagge gegen die Türken auslaufen zu *) Grossherzogliches Archiv in Karlsruhe und k. k. Kriegs-Archiv. *) „II Marchese Hermano di Baden presiede al Consiglio di Guerra, doppo la morte del Conte Montecucoli. Si braraarebbe hauesse il soggetto piü sollecitudine negl’ affari di cosi grande leuatura. Perciö molte uolte fű parlato di promouerlo ad altro grado piu addattato al suo talento; mä si é trouato Cesare con le mani legate per la qualitä della sua nascita, che serue il piü delle uolte di peso á Pren- cipi, non potendo con facilitä migliorare il loro proprio seruitio, quando una uolta é collocato in soggetti di Case Sourane, per li qttali ui concorrono sempre molti riflessi, et impedimenti, che ne Priuati non s’incontrano. S’aggionge parimenti in questo Soggetto una particolar emulatione con il Duca di (Lorena Cognato della M*4 Sua Cesarea, che gode la Carica di Tenente Generale delle sue armi, il piü delle uolte difficoltando, e differendo le dispositioni necessarie per la guerra, per togliere all’ Emulo la gloria, e l’applauso, che s’hauerebbe molte uolte potuto acqui- stare a pr6 del Cesareo seruitio, collá pronteza de mezzi, che si ricercano.“ Österreichische Geschichtsquellen, 2. Abtheilung, XXXII. Band, Seite 252.