Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

204 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. lassen, obwohl die auf dieses Project ergangene Resolution aus den Acten leider nicht zu entnehmen ist '). Die Türkei machte die grössten Anstrengungen, um die Armirung und Proviantirung der Grenzfestungen zu bewerkstelligen und die Vorräthe in Belgrad, welches seit geraumer Zeit zum Hauptwaffenplatze eingerichtet worden war, zu completiren. Neuhäusel, „das Thor des Westens“, sollte durch den Tataren-Klian und Thököly, welchem Letzteren hiefür. 50.000 Piaster bezahlt wurden, mit Mund- und Kriegsvorrath versehen werden. In Ofen traf der neue Befehlshaber schon im Winter ein, und am 26. Februar berichtete bereits Bischofshausen, der Com­mandant von Gran, dass in der ungarischen Hauptstadt endlose Wagen­züge einträfen und unaufhörlich an den durch die Belagerung des vorigen Jahres beschädigten Festungswerken gearbeitet würde2). Während des Winters hielten die kaiserlichen Truppen Neuhäusel blokirt, von welcher Festung der FML. Schulz die Ansicht hegte, es werde sich dieselbe durch Verhinderung der Zufuhr zur Capitulation zwingen lassen. Das Commando vor Neuhäusel führte der unermüd­liche, im kleinen Kriege bewährte Oberst Heissler, dem ein Corps von 2000 (seit März 3000) Commandirten, welche alle sechs Wochen abgelöst werden mussten, unterstellt war. In dienstlicher Beziehung war das Heissler’sche Corps an den General Schulz und, als dieser gegen Bartfeld hatte abrücken müssen, an den FML. Grafen Pálffy in Pressburg gewiesen. Obwohl Heissler zahlreiche Erfolge gegen die Türken und Insurgenten erfocht, wobei ihm Czobor mit seinen Huszárén wacker zur Seite stand und sich in Listen und An­schlägen unerschöpflich zeigte, ergab die Blokade doch nicht das erwartete Resultat. Dafür gelang es aber dem Obersten Heissler vortrefflich, sein Corps auf Kosten der Gegner zu ernähren. Als sich zwischen Erlau und Neográd türkische Truppen in der Absicht concentrirten, um Neuhäusel zu proviantiren, eilte ihnen Heissler entgegen, zersprengte sie und erbeutete 30 grosse Schlitten mit Getreide3). Bei einem Streifzuge gegen Rosenau schlug Heissler die Tataren und Türken an der Eipel in die Flucht und nahm ihnen wieder namhafte Vorräthe ab4). Zwei Monate später fielen 300 Kühe, welche den Neuhäuslern gehörten, in seine Hände, wobei „auch etwelche Türkhen niedergemachet und gefangen wurden“ 5). Da Heissler’s Wachsamkeit es unmöglich machte, einen Convoi nach ’) Registratur des Reichs-Kriegsministeriums. 2) Registratur des Reichs-Kriegsministeriums. 3) Bericht aus Léva vom 29. Januar 1685. — Registratur des Reichs-Kriegs- ministeriums. 4) Bericht Bischofshausen’s aus Grau vom 11. März 1685. — Registratur des Reichs-Kriegsministeriums. 5) Bericht aus Léva vom 8. Mai 1685. — Registratur des Reichs-Kriegsministeriums.

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