Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799

96 Das Corps des FML. Friedrich Freiherr von Hotze im Feldzüge 1799. Die Russen unter Suwarow waren noch entfernt, der Erzherzog mit dem grössten Theile seiner Armee in Deutschland; der Augen­blick war dem französischen Feldherrn günstig zur Führung eines entscheidenden Schlages. Am 25. September erfolgt derselbe. Der Übergang über die Limmat bei Dietikon unterhalb Zürich gelingt; unter grossen Verlusten muss Korsakow die Stellung bei Zürich räumen und hinter den Rhein weichen. Gleichzeitig reussirt der Übergang der Franzosen über die Linth bei Utznach und Schanis. Die Österreicher gehen über St. Gallen hinter den Rhein zurück. Die Nachwirkungen dieser unglücklichen Ereignisse und Mangel an Zusammenhang machen den aus der Gegend von Sargans und Chur nach der oberen Linth unternommenen Offensivstoss des österreichi­schen linken Flügels scheitern. Die Basis, auf welcher der Operations­plan Suwarow’s aufgebaut worden war, brach damit zusammen. In der kürzesten Richtung, durch das wilde Thal der Reuss, wollte dieser Feldherr den entscheidenden Theil des Kriegsschau­platzes erreichen. Zwischen Sihl und Reuss, wo die französische Hauptmacht stand, sollte die Vereinigung mit den von der Linth und Limmat vorgehenden Heerestheilen der Verbündeten stattfinden. Der St. Gotthard-Berg wird am 24. September erobert; rücksichtslos die Menschen opfernd, bahnt sich Suwarow den Weg durch das lange Defilé des Reuss-Thaies. Unter grossen Verlusten erreicht er das Mutten-Thal. Noch strebt sein Wille unbeugsam dem vorgesteckten Ziele zu, da treffen ihn die Nachrichten Uber die Ereignisse bei Zürich und Schanis. Unter dem Drucke der Thatsachen wird er zum Aufgeben des geplanten Marsches über Schwyz gezwungen; er wendet sich auf Glarus. Kämpfend muss er sich den Weg in’s Thal der Linth erzwingen. Als letzter Ausweg verbleibt ihm schliesslich nur der mit unsäglichen Beschwerden verbundene Marsch durch das Sernft-Thal über Panix auf Chur und Feldkirch. Anfangs October traf Erzherzog Carl mit einem Theile seiner Armee wieder bei Schaffhausen ein. Zu einer gemeinsamen Offensive nach der Schweiz kam es nicht mehr; die stattgehabten Unglücksfälle der Russen führten zur Auflösung des Zusammenhanges beider Ax-meen. Im Monate December ti'at auf diesem Kriegsschauplätze Ruhe ein. Die beiderseitigen Ai-meen bezogen die Winterquartiere. In Deutschland waren die Franzosen nach Abzug des Erzherzogs mit seiner Ai-mee gegen die Quellen der Donau, in der ersten Hälfte October wieder bei Castel über den Rhein gegangen. Die schwachen Abtheilungen der Österreicher wurden gegen Süden allmälig bis hinter die Enz gedi-ängt, die Feste Philippsbui-g berennt.

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