Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799

Das Corps des FML. Friedrich Freiherr von Hotze im Feldzuge 1799. 97 Die vom Erzherzoge herandisponirten Verstärkungen zwingen den Gegner, Anfangs December bei Neckerau das linke Rhein-Ufer aufzu­suchen. Damit fanden in Deutschland die Ereignisse ihren Abschluss. In Ober-Italien waren nach dem Abmärsche der Russen unter Suwarow 68.000 Mann Österreicher unter Melas verblieben. Mit dem Gros zwischen Turin und Brä stehend und die westlich vorgelegenen Gebirgstheile besetzt haltend, beherrschten sie das gangbare, die Opera­tionen fördernde Terrain und die Debouchéen der engen Gebirgsthäler. Eine französische Armee ist im Begriffe, durch dieselben in Piemont einzubrechen — eine zweite steht um Genua. Die Festung Coni stützt die inneren Flügel beider Armeen. Einem ihm zugedachten combinirten Schlage weiss der österrei­chische Heerführer geschickt zu begegnen und den Franzosen bei Genola eine Niederlage zu bereiten (4. November). Die Festung Coni fällt durch List; ein Versuch zur Eroberung Genua’s misslingt jedoch. Die Ereignisse in Ober-Italien fanden damit ihr Ende. Mit Schluss des Jahres herrschte auf allen Kriegsschauplätzen Österreichs Vorbereitungen. Besetzung von Graubünden durch österreichische Truppen. Eintheilung und Stärke der beiderseitigen Streitkräfte zu Beginn der Feindselig­keiten. Die nach dem Frieden von Campo-Formio fortdauernde Unsicher­heit machte auf Seite Österreichs Massregeln zum Schutze seiner west­lichen Grenzlande nothwendig. Das einem überraschenden Einfalle des Gegners am meisten ausgesetzte Vorarlberg blieb von Truppen besetzt. Nach Massgabe als die Situation in der Schweiz kritischer und der Ausbruch der Feindseligkeiten wahrscheinlicher wurde, zog man Ver­stärkungen aus Tirol herbei. Die Graubündner ') hatten die Einladung der Neu-Franken und Neu-Helvetier zur vollkommenen Vereinigung ihres Landes mit der *) Als dev Sturm der Revolution im benachbarten Frankreich ausbrach, besassen die Regierungen der Schweizer Cantone, welche sich den berechtigten For­derungen und Wünschen des Volkes gegenüber stets unnachgiebig gezeigt hatten, nicht das Vertrauen desselben. An vielen Orten zeigte sich die Lust, dem Beispiele der Franzosen zu folgen. Im Jahre 1794 kam es in einigen Cantonen zu blutigen Auf­tritten. Im Januar 1798 brach die Revolution im Waadtlande und im Canton Basel aus, als Folge französischer Aufwiegelungen. Dies bot den Franzosen den Anlass zum Einmärsche. Die Revolution wälzte sich in kurzer Zeit auf die Mehrzahl der Cantone, das widerstehende Bern wurde nach vier Tagen blutigen Kampfes besetzt. Am 12. April proclamiren die zu Aarau versammelten Repräsentanten von zehn Cantonen, nach dem Willen des französischen Directoriums, die einzige und untheilbare reprä- Mittkeilungea des k. k. Kriegs-Archivs. 1884. 7

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