Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland. 79 näheren Aufschluss; in den officiellen Berichten wurde das alte Spiel der Thatsachenfälschung fortgesetzt. So schrieb unter Anderem Herzog von Bassano, ddo. Wilna, 2. und 4. December, dass Napoleon die Russen unter Wittgenstein und Tschitschagof an der Beresina total geschlagen und die Armee des Letzteren auf 7000 Mann Infanterie und 6000 Reiter herabgebracht habe. Welchen Einfluss diese unwahren Nachrichten und die Unklarheit über die nächsten Operationen der grossen Armee auf das Verhalten des Auxiliar-Corps nothwendig haben mussten, möge der hier folgende Bericht des Fürsten Schwarzenberg an Kaiser Franz, ddo. Slonim, 12. December schildern; es wird daraus zugleich am besten zu entnehmen sein, inwiefern dem Ober-Commandanten der kaiserlichen Truppen die Schuld treffen kann, den Vortheil des Alliirten nicht genügend wahrgenommen zu haben: „Aus denen, in Abschrift hier allerunterthänigst beygeschlossenen Schreiben des Herzogs von Bassano werden Euer Majestät zu ersehen geruhen, dass ich keine bestimmten Befehle über die, mit der mir anvertrauten Armee vorzunehmenden Bewegungen erhalten habe. Die in Abschrift ebenfalls beyliegenden Briefe, die ich an den Minister (Bassano) schrieb, setzen denselben in Kenntniss meines Marsches, und ich war umsomehr berechtigt zu glauben, dass mir alsobald die eigentliche Lage der grossen Armee bestimmt bekannt gegeben werden würde, als in dem letzten, vom 4. aus Wilna datirten Schreiben, mir zwar gesagt wird, dass Kaiser Napoleon wünsche, dass ich durch meine Manövres die Bewegungen und die Position dieser Armee unterstützen möchte, wobei jedoch gerade das Wichtigste, das ist nämlich, die Bewegung und die Position selbst nicht mitgetlieilt wurde.“ „Aus dem Briefe vom 2. musste ich glauben, dass der Feind an der Beresina dergestalten geschlagen ward, dass er sich zurückzuziehen gezwungen sehen würde. Ich beschleunigte meinen Marsch nach Slonim dermassen, dass ich der grossen Kälte halber über 500 Mann mit erfrorenen Gliedmassen und mehrere Todte hatte.“ „Zugleich, wie es das angebogene Journal deutlich erklärt, beorderte ich den General Zechmeister, mit einer starken Avantgarde auf Neswitsch vorzurücken, von dort aus Minsk und Sluzk zu recogno- sciren, dem Feind so viel als möglich Schaden zuzufügen und den Marsch der Armee, wenn ich den Befehl dazu erhalten sollte, vorzubereiten.“ „Indessen glaubte ich dennoch aus dem Schlüsse des Briefes vöm 4. wahrzunehmen, dass die Bewegungen der grossen Armee eher rückwärts als vorwärts gehen würden, dass der Kaiser seiner Armee die Winterquartiere beziehen zu lassen gesonnen seye, und es mir unmöglich scheint, dass die französische Armee nach einer so fatiganten Campagne hoffen könne, ruhige Winterquartiere auf dem rechten Ufer des Niemens zu finden. Unter diesen Umständen hätte ich es nie wagen können, in