Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
dieser, Mensch und Vieh tödtenden gi'immigen Kälte, ohne bestimmten Befehl den Marsch gegen Minsk mit der Armee zu unternehmen.“ „Ich schickte am 6. Abends den Herrn von Stürmer selbst als Courier nach Wilna, um dort mit dem Ambassade-Rath von Florret mündliche Rücksprache nehmen zu können, und endlich einmal über die wahre Lage des Ganzen mir eine richtige Ansicht zu verschaffen, da ich den letzten Briefen des Ministers (Bassano) deutlich einen hohen Grad von Verlegenheit und diplomatischer Retinenz abzumerken glaubte.“ „Ein gestern vom General Rothkirch aus Wilna über Grodno erhaltener Brief macht eine so traurige Schilderung des Zustandes der grossen Armee, dass es mir so unbegreiflicher ist, wie man mich nicht früher in die Kenntniss der Lage versetzte; ich würde alsdann hei meinem Einrücken in Slonim das Ganze dort zurück- gelasssen und das etwas ausgeruhte Corps des FML. Frimont eiligst über Bilitza nach Lida geschickt haben, wodurch die rechte Flanke dieser Armee, welche an Cavallerie gänzlich aufliegt, gedeckt wäre worden, und sie ihren Rückzug ungestört an den Kiemen hätte fortsetzen können; denn sobald die Armee die Beresina verlassen hat, so war diese Bewegung unendlich zweckmässiger, als jene, zu welcher ich durch die unrichtige Darstellung des Herzogs von Bassano verleitet wurde, den General Zechmeister ausführen zu lassen. Auch habe ich diesem Generalen den Befehl ertheilet, sich auf Stollowitze zurückzuziehen.“ „Die Bewegung nach Lida würde (jetzt) sechs Tage henöthigen, bis dorthin ist es kaum wahrscheinlich, dass die französische Armee nicht ihren Rückzug gegen den Niemen fortgesetzt haben sollte, wo sodann dieses Corps sehr in Gefahr kommen würde und auf jeden Fall nicht mehr wirken könnte.“ „Bei der damaligen Witterung ist jeder Marsch mit einem grossen Verlust an Mannschaft verbunden; Corps jedoch, welche zwei bis drei Tage zu biwakiren gezwungen wären, würden zuverlässig auf die Halbscheid zusammenschmelzen. Ich kann daher auf keinen Fall auf meine Verantwortung allein, ohne bestimmten Befehl irgend eine offensive Operation in die Flanke der russischen Armee unternehmen.“ „Bei dem Umstande, wo mir die eigentliche Aufstellung oder die Direction des Marsches der grossen Armee ganz unbekannt ist, könnte ich auf Seitenstrassen ohne Lebensmitteln in Frost und Schnee dergestalten herumirren, dass ich ohne einen wesentlichen Nutzen zu erreichen, einen, jenen während der ganzen Campagne erlittenen, weit übersteigenden Verlust an Mannschaft, Pferden, ja selbst an Geschütz und Munition haben würde.“