Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
veranstaltet haben, so würden Sie eine sehr nützliche Sache thun, wenn Sie mir dieselben, wo möglich sammt Pferden, zusenden wollten. Dieses Opfer an Ihren Trophäen wäre ausserordentlich vortheilhaft. Wir hätten damit mit einem Male ein Regiment, welches Polen besser als Russland dienen würde, und zugleich auch ein Organisationsmittel, welches in Zukunft gute Früchte trüge.“ Man braucht sich nur die Wirkung zu vergegenwärtigen, welche diese Ti'ugbilder bei dem Empfänger, der Natur der Sache nach, hervorrufen konnten — worauf sie offenbar auch berechnet waren — und sie mit den verderblichen Folgen zu vergleichen, die sie nach sich ziehen mussten, wenn sie Fürst Schwarzenberg als Basis seines Verhaltens annahm: so wird man bezüglich des Urtheiles über ein so strafwürdiges Spiel nicht schwanken. Glücklicherweise konnte die Wahrheit doch nicht ganz verborgen bleiben. Wenngleich sich der Schleier nicht vollständig lüftete und nur einen sehr beschränkten nebelhaften Ausblick gewährte, so genügte es doch, um zur Vorsicht zu mahnen. Der scharfen Beobachtung des Fürsten Schwarzenberg waren gewisse Anzeichen nicht entgangen, die auf eine durchgreifende Veränderung der allgemeinen Situation hindeuteten. War er auch — wie damals alle Welt — weit entfernt, die volle Wahrheit zu ahnen, so fand er doch hinreichend Anhaltspunkte, um den Worten des Herzogs von Bassano nur den gebührenden Glauben beizumessen. Ungeachtet des berechtigten Misstrauens, welches ihm die Situation einflösste, ordnete er aber doch seine bessere Überzeugung dem Befehle unter, der ihn von der Muchawec gegen Minsk beorderte. Die äusseren Umstände, unter welchen dieser Marsch und die folgenden ausgeführt wurden, charakterisirt am deutlichsten der Bericht Welden’s (S. 87): „Wer in dieser Kälte, die in jener Epoche den höchsten Grad, 26 bis 27° R., erreichte, seine Kräfte verlor, mithin nicht marschiren konnte, war rettungslos verloren, er musste denn in einem Hause Zurückbleiben und dort sein Schicksal erwarten. Nur Bewegung schützte gegen das Erfrieren; setzte sich ein Soldat müde und entkräftet auf einen Wagen, so hob man ihn als erstarrte Leiche herunter. Als ein bewährtes Mittel gegen das Erfrieren der Glieder liielt man die Soldaten an, sich Hände, Füsse und das Gesicht mit Unschlitt zu schmieren, welches eine gute Wirkung machte, aber die Leute so entstellte, dass sie sich oft selbst untereinander nicht erkannten.“ Diese Schilderung erscheint nichts weniger als übertrieben, wenn man aus den dienstlichen Rapporten erfährt, dass am letzten Tage des Marsches von der Muchawec nach Slonim das Auxililar-Corps 500, und später die nach Neswiz vorgeschobene Brigade Zechmeister 400 Mann durch die Kälte verloren. Über den wahren Stand der Verhältnisse bei der grossen Armee gaben, als das Auxiliar-Corps in Slonim angelangt war, nur Gerüchte