Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

gewaltigen Umschwung erhielt, der sich seit dem 19. October, dem Tage des Abzuges der Franzosen aus Moskau, vollzogen hatte. Am 21. November, also zu einer Zeit, wo die „grosse Armee“ nicht entfernt mehr jene Initiative besass, welche ihr erlaubt hätte, auf die Hauptphasen des Krieges bestimmend einzuwirken, will der Herzog von Bassano glauben machen, Napoleon schiebe eine im Voraus geplante Entscheidungsschlacht absichtlich bis zum Eintreffen des Auxiliar-Corps hinaus und benützt dies, um die gegründeten Bedenken zu beseitigen, die den Fürsten Schwarzenberg von dem Marsche nach Minsk abhielten: . . . Seit 16. occupirt der Feind Minsk und da ich keinerlei Nachrichten von einer entscheidenden Action seitens des Kaisers habe, so ist zu glauben, dass die Hauptschlacht bis zu dem Augenblicke hinausgeschoben werden soll, wo Sie in der Lage sein werden, sich daran zu betheiligen oder sonst wie Vortheil zu ziehen. ...............Ich bin überzeugt, dass Sie so fühlen wie ich, und dass, wenn in dem Augenblicke, wo ich Ihnen schreibe, Sacken ausser Stande ist, Ihnen zu schaden, er nicht weniger unfähig sein wird, Reynier gefährlich zu werden und Sie zu hindern, auf Ihre ursprüngliche Marschrichtung zurückzukehren und durch einen Gewaltmarsch die verlorene Zeit wieder einzubringen.“ Am 25., also unmittelbar vor der Katastrophe an der Beresina, wird Bassano noch bestimmter und dringender: „Ich hoffe immer, mein Prinz, dass Sie mir Ihren Vormarsch mit dem österreichischen Corps anzeigen werden. Der Angriff des II. und IX. Corps wurde verschoben und ich zweifle nicht, dass Sie noch immer zur rechten Zeit ankommen könnten, nicht allein um Tschitschagof den Rückzug abzuschneiden, sondern selbst sogar an der Action theilzunehmen. Ich werde so glücklich sein, Sie unter den Augen des Kaisers die Früchte Ihrer Mühen und Ihrer Hingebung für die gemeinsame Sache sammeln zu sehen . . Es ist schwer, ein solches Vorgehen richtig zu qualificiren; wollte man auch annehmen, dass der Herzog von Bassano wirklich über die Vorgänge bei der „grossen Armee“ nicht besser unterrichtet war, als sich aus seinem Schreiben ergibt, so bleibt noch immer die an’s Ungeheuerliche streifende Verkennung, nicht nur der militärischen, sondern auch der geographischen Situation, die aus den Voraus­setzungen und Forderungen Maret’s hervorgeht. Soll man an eine ganz unerhörte Verblendung glauben, oder an den crassesten Macchiavellismus, wenn man das dem obigen Schreiben beigefügte Postscriptum dem thatsächlichen Verhältnisse gegenüberstellt, die dem Herzoge von Bassano doch mindestens den Hauptumrissen nach bekannt sein mussten: „Sie haben, mein Prinz, 400 Kosaken des 4. ukrainischen Regimentes gefangen. Wenn diese von dem Aufgebote herrühren, welches die Damen Branicka und Severin Potocka in der Ukraine

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