Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Richtung gegen Minsk weiter zu verfolgen, oder das Corps des Generals Sacken ganz in die podlesischen Sümpfe zurückzudrängen und es auf diese Art für den Rest des Feldzuges unschädlich zu machen. Gewichtige Gründe sprachen sowohl für, als gegen eine jede dieser Möglichkeiten. Wie die Verhältnisse standen, konnte jedenfalls nur mehr ein Theil des austro-sächsischen Corps den Marsch gegen Minsk antreten, da der andere nothwendigerweise dem Corps Sacken gegenüber bleiben musste. Der Herzog von Bassano schien allerdings zu wünschen, dass Fürst Schwarzenberg mit dem Auxiliar-Corps allein den Marsch fortsetze, während es Reynier mit den Sachsen überlassen bliebe, das Sacken’sche Corps weiter zu verfolgen. Diese letztere Voraussetzung war aber höchst problematisch. Sacken hatte allerdings empfindliche Verluste erlitten, allein diese waren wohl nicht so bedeutend, wie die contemporäne und, nach ihr die spätere Geschichts­schreibung annimmt, welche dieses Corps auf die Hälfte seines Bestandes zusammenschmelzen lässt. Abgesehen von den ganz unglaubwürdigen Angaben des russischen officiellen Werkes, welches nur von 100 Todten wissen will, beweist das erfolgreiche Gefecht Sacken’s gegen die Division Pflacher (Trautenberg) am 18. November bei Rudna, sowie überhaupt die Energie, mit welcher er sich seine Verfolger vom Leibe zu halten weiss, dass er bei Weitem nicht so kraftlos war, als man später behauptete. Überdies liefen im kaiserlichen Hauptquartiere die bestimmtesten Anzeigen ein, dass Sacken die Brigade Lüders’, welche die Bestimmung hatte, über Pinsk dem Admiral nachzufolgen, an sich gezogen habe, und dass ihn bei Szereczew eine aus den rückwärtigen Depots gesammelte Verstärkung von 5000 Mann erwarte. Endlich war auch als gewiss vorauszusetzen, dass er den General Witt aus dem Warschau’schen zurückberufen werde, was sich bald bestätigte. Diesen Umständen gegenüber konnte man unmöglich annehmen, dass Sacken, der seine Aufgabe, die ihm überlegenen Kräfte Schwarzen- berg’s festzuhalten, mit ebensoviel Kühnheit als Geschick gelöst hatte, nun dem VII. Corps gegenüber unthätig bleiben werde. „Bei seiner um das Siebenfache überlegenen Cavallerie, wäre Sacken sicher nicht zurückgegangen, sondern hätte Reynier festgehalten und bleibend vom Auxiliar-Corps getrennt *).“ Reynier selbst erklärte auf das Bestimmteste, dass er nicht im Stande sei, sich mit dem VII. Corps den Russen gegenüber zu behaupten. Die Sachsen hatten ausserordentlich gelitten, die Division Durutte war, der Auflösung nahe, in Rudna zurückgelassen worden, so dass am 21. November die wirklich verfügbaren Kräfte des VII. Corps auf 4047 Mann Infanterie und 1100 Reiter reducirt waren *). Mit Rücksicht hierauf und da Reynier es für unerlässlich hielt, dass Sacken voll­') Bericht Schwarzenberg’s vom 29. November. Kriegs-Archiv. 2) Reynier’s Bericht aus Halem an den Fürsten Schwarzenberg. 74 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Theilnakme des k. k. österr. Auxiliar-Corps

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