Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon!, gegen Russland. 75 ständig in die podlesischen Sümpfe zurtickgedrängt werde, wenn man in Flanke und Bücken sicher sein wolle, schickte er im Einverständ­nisse mit Schwarzenberg am 21. seinen Adjutanten zu Bassano, um durch dessen Vermittlung die Enthebung des Auxiliar-Corps von dem Marsche nach Minsk zu erlangen. Die Schwierigkeiten, welche sich dieser letzteren Operation entgegenstellten, waren, abgesehen von der bereits erwähnten ungünstigen Situation des VII. Corps, ganz ausser­ordentliche. Auf sich selbst beschränkt, war das Auxiliar-Corps nicht viel mehr als halb so stark wie die Armee Tschitsehagof s; in ununter­brochenen Gewaltmärschen vorgehend, hätte es Landstriche passiren müssen, die, bereits vom Gegner aufs Äusserste ausgesogen, aller Subsistenzmittel entblösst waren. Die Möglichkeit, Tschitsehagof noch rechtzeitig zu erreichen, dessen Gros schon am Tage des Treffens von Izabelin in Minsk eingerückt war, erschien an und für sich äusserst gering, desto näher aber die Wahrscheinlichkeit, dass das Auxiliar- Corps im Momente, wo es bei Szwerzen über den Niemen setzte, in einen ungleichen und unter den obwaltenden Umständen verderblichen Kampf verwickelt werden könne. Zudem war die Kälte schon so empfindlich, dass selbst die Bussen viele Erfrorene in verlassenen Biwaks und auf den Strassen zurückliessen. Vergegenwärtigt man sich die Verhältnisse im Auxiliar-Corps, wie sie schon früher *) geschildert wurden, so wird man wohl kaum umhin können, die Befürchtungen zu theilen, welche eine Operation gegen Minsk dem Fürsten Schwarzen­berg nahelegte. „Die Armee“ — berichtet er am 29. November dem Kaiser Franz — „ist durch Mangel und Strapazen auf’s Äusserste erschöpft. Sollten binnen 14 Tagen die Winterquartiere nicht bezogen werden, so wird die Cavallerie, die jetzt schon nur mehr zur Hälfte diensttauglich ist, noch mehr zusammenschmelzen...............Die Energie und das Beispiel der Officiere hinderte bisher eine noch grössere Ausbreitung des Übels. Indessen unterliegt es keinem Zweifel, dass, wenn ich aller Vorstellungen ungeachtet nach Minsk marschiren muss, dieses Corps — welches ich so glücklich war, aus manchen schwierigen Lagen zur Ehre der Waffen herauszuziehen und zu grossem Nutzen Eurer Majestät Alliirten zu verwenden — auf diesem langen und beschwerlichen Marsche im rauhen Winter, beinahe ganz zu Grunde gerichtet werden würde. Sollte diese, alsdann in sehr geringer Anzahl dort anlangende Truppe vollends so unglücklich sein, durch Über­macht gedrückt zu werden, so wäre die gänzliche Auflösung eine unvermeidliche Folge. Ich halte es umsomehr für meine heilige Pflicht, diesen Marsch nur im äussersten Nothfalle anzutreten, als er Euer Majestät den Kern einer vortrefflichen Ai-mee kosten würde, der schwer zu ersetzen sein wird.“ *) Seite 71.

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