Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

wirken aller Theile der grossen Armee, sick nach dem Treffen rasch wieder Tschitschagof zuzuwenden und die Verfolgung Sacken’s dem VII. Corps zu überlassen, rückte Schwarzenberg mit seiner gesammten Macht dem geschlagenen Gegner nach, der ohnehin fast die Hälfte seiner Truppen eingebüsst hatte und für die nächste Zukunft voll­kommen unschädlich war. Erst auf den kategorischen Befehl, mit möglichster Eile auf Minsk zu marschiren, brach er am 27. November aus der Gegend von Kobrin auf, doch viel zu spät, um noch wirksam werden zu können. Durch diese unentschiedene Kriegführung konnte Tschitschagof unbelästigt die Beresina im Rücken der französischen Armee erreichen, wodurch diese in die verzweifelteste Lage kam. Dies ist im Allgemeinen der Kern der Beschuldigungen, welche die zeitgenössische Geschichte und nach ihr die Fachkritik gegen Schwarzenberg Vorbringen. Der Theorie nach scheinen sie allerdings wohlbegründet; der Krieg ist aber so wenig eine theoretische Wissen­schaft, Verhältnisse und Umstände haben einen so überwältigenden Ein­fluss auf die praktische Durchführung, auch der unanfechtbarsten Theo­reme, dass weder unmittelbar, nachdem die Ereignisse sich vollzogen, geschweige denn in viel späterer Zeit, es möglich ist, dieselben richtig zu beurtheilen, wenn man nicht all’ den, oft unscheinbaren Factoren volle Rechnung trägt, die hartnäckig ausserhalb jeder Regel stehen, demungeachtet aber den Entschluss ebenso sehr beherrschen, wie die Entwickelung und den Verlauf der Thatsachen. Dass in dem ersten Theile der, hier nahezu wortgetreu ange­führten Beschuldigungen, die Thatsachen willkürlich gruppirt erscheinen und mit der chronologischen Folge nicht übereinstimmen, soll nicht weiter berührt werden; es ist des entlastenden historischen Beweis­materiales noch übergenug. Schon der Vergleich der beiderseitigen Streitmittel weist jene Gegensätze auf, wie sie zwischen den statistischen Tabellen und der Wirklichkeit immer bestehen. Nach den von der Kritik durchwegs benützten officiellen rus- rischen Angaben *), bezifferte sich die Gesammtstärke der, Schwarzen­berg gegenüber stehenden Kräfte, zu Ende October auf mehr als 60.000 Mann. Hievon blieben 47 Bataillone, 36 Escadronen, 8 Batterien, 1 Pionnier-Compagnie und 6 Regimenter Kosaken = 27.000 Mann unter Sacken bei Brest-Litowski; 48 Bataillone, 64 Escadronen, 14 Batterien, ] Pionnier-Compagnie und 10 Regimenter Kosaken = 30.000 Mann marschirten mit Tschitschagof gegen Minsk. Nach Truppenkörpern gerechnet, war also das Corps Sacken’s um 1 Bataillon, 28 Escadronen, 6 Batterien und 4 Regimenter Kosaken schwächer als jenes Tschitschagofs. Wenn nun die russischen Quellen diese 70 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Theilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Coi-ps *) .Geschichte des Feldzuges im Jahre 1812, nach den zuverlässigsten Quellen.“ Auf allerhöchsten Befehl bearbeitet von M. Bogdanowitsch, kaiserl. russ. General- Major.

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