Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Schutz fanden, vermehrte sich die Zahl der Kranken täglich um 60 bis 70 Mann. Die Sachsen wiesen kaum mehr einen Gefechtsstand von 12.000 Mann auf; ihr Abgang betrug über 6000 Mann des ursprüng­lichen Standes. Bis zum Übergange über die Lyzna hatte eine geschickte Be­nützung des Terrains die, Möglichkeit geboten, dieses Missverhältniss weniger fühlbar werden zu lassen, obwohl auch dies nur um den Preis einer ausserordentlichen Anspannung der Kräfte von Mann und Pferd erreicht werden konnte. Jenseits der Lyzna aber bot das Terrain gar keine Stützpunkte; jede concentrische Operation wäre fortwährend durch die feindliche Reiterei in Flanke und Rücken bedroht worden, eine verlorene Schlacht hätte nothwendig den Verlust der ganzen Artillerie, — bei nur einigermassen ungünstigen Zwischenfällen, leicht auch die Auflösung der Armee zur Folge haben können. Unter diesen Verhältnissen erscheint es wohl berechtigt, dass Fürst Schwarzenberg jedem entscheidenden Zusammenstosse mit dem Gegner auswich; ebensowenig konnte aber von einem ferneren paral­lelen Rückzuge ein Erfolg erwartet werden, „weil der Feind bei seiner Überlegenheit, besonders an Cavallerie, das Corps hätte fortwährend überflügeln und in die Sümpfe Preussens zurückdrücken können“. Es erübrigte sonach nichts Anderes, als den Feind durch entsprechende Manöver hinzuhalten und dadurch so viel Zeit zu gewinnen, bis die bereits angekündigten Verstärkungen eingetroffen sein und die Operations­freiheit vermehrt haben würden. Da von einer Verstärkung von Seite der grossen Armee, be­ziehungsweise Sachsens, nichts verlautete, so konnte Fürst Schwarzen­berg augenblicklich nur auf jene Unterstützungen rechnen, die von Galizien her im Anmarsche waren. Alle diese Rücksichten, sowie die feste Überzeugung, dass sich der Feind nicht getheilt habe, sondern mit seiner ganzen Macht in der Umgebung von Brest-Litowski stehe, bewogen ihn, neuerdings den Bug zu übersetzen und aufwärts desselben gegen die galizische Grenze zu manövriren. Durch diese Bewegung hoffte er nicht nur sich den Verstärkungen zu nähern und das Grossherzogthum Warschau von den streifenden Russen zu säubern, sondern, indem er bei Wlodawa oder noch weiter flussaufwärts auf das rechte Ufer überging, derart in Flanke und Rücken Tschitschagofs wirksam zu werden, dass dieser von jeder Beunruhigung der grossen Armee abgehalten würde. Dies waren die Motive, welche der Bewegung Schwarzenbergs von der Lyzna über den Bug gegen Biala zu Grunde lagen und man wird zugeben müssen, dass ihnen unter den gegebenen Verhältnissen die Berechtigung nicht wohl zu versagen ist. Im französischen Haupt­quartiere, wo man den continuirlichen Rückzug der Russen „als Grund­satz angenommen zu haben scheint“ und mit Ungeduld den Anmarsch (J6 1812. Kriegsgescliichtl. Studie über die Theilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps

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