Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland. 67 des Auxiliar-Corps erwartete, war man allerdings mit diesen Operationen nichts weniger als einverstanden. Fürst Schwarzenberg war sich dessen im Voraus bewusst, allein seine feste Überzeugung, dass er gegenüber der Macht der Umstände nicht anders handeln könne, wurde dadurch keinen Augenblick erschüttert. „Es ist kein Zweifel“ — schrieb er am 21. October an den Kaiser — „dass, wenn diese von dem Kaiser Napoleon, ungeachtet aller meiner gemachten Meldungen, durchaus nicht vorausgesehene Bewegung des Feindes, einen bestimmt üblen Einfluss auf seine Haupt­operation haben sollte (welches zwar noch nicht gewiss ist), er die ganze Schuld auf mich wälzen wird. — Dieser Tadel wird mich zwar schmerzen, er wird mich aber nur allein treffen und ich werde meinen Trost in der Beruhigung finden, die Armee vor einer unausweichlichen Niederlage und schändlichen Auflösung gerettet und auf diese Art den Geist der Truppe — welche sich nicht geschlagen fühlt — und den Waffenruhm aufrecht erhalten zu haben.“ Indes kamen auch die Absichten Schwarzenberg’s nicht zur vollen Entwickelung, da mittlerweile Umstände eintraten, die eine Abänderung der ursprünglichen Dispositionen bedingten. Zugleich mit dem Vor- stosse nach Biala erhielt Fürst Schwarzenberg durch den Gouverneur von Warschau, du Taillis, die Mittheilung, dass die 32. französische Division unter General Durutte, in der Stärke von 14.000 bis 15.000 Mann, zwischen 20. und letzten October in Warschau ein- treffen und von dort ungesäumt den Weitermarsch zum austro-säcli- sischen Corps fortsetzen werde. Da auch die aus Galizien vorrücken­den Verstärkungen von fünf Bataillonen und sechs Escadronen, die sich in Chelm hätten sammeln sollen, in Folge der Unsicherheit der Gegend am oberen Bug, die Kichtung über Krasnystaw-Warschau nach Sierok genommen hatten, so musste Fürst Schwarzenberg umsomehr trachten, sich mit diesen Truppen baldigst in Verbindung zu bringen, als er durch sie zu directeren Operationen befähigt werden konnte. Aus diesen Umständen erklärt es sich wohl zur Genüge, warum Fürst Schwarzenberg nicht früher die Offensive ergriff, sowie auch, dass in dem Aufgeben der Operation aufwärts des Bug sicher kein Mangel an Entschiedenheit gefunden werden kann. Im Uebrigen begannen im französischen Hauptquartiere, sich richtigere Ansichten über die Verhältnisse auf dem polnisch-volhynischen Kriegsschauplätze zu bilden. In einem von dem commandirenden General in Galizien am 28. October an den Fürsten Metternich gerichteten Situations- Berichte heisst es: „Die französische Ambassade hat nun einen genauen Stand der dem Fürsten Schwarzenberg entgegenstehenden russischen Macht erhalten: die Infanterie wird auf neun Divisionen, jede im Durchschnitt zu 6000 Mann, folglich auf 54.000 Mann, die Cavallerie auf 26 Regimenter, im Durchschnitt zu 600, und die Artillerie auf 5*

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