Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
42 1812. Kriegsgeschiclitl. Studie über die Tlieilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps Galizien Kommenden Unterstand gaben, verloren ihre Besitzungen. Bemerkenswerth gegenüber dieser drakonischen Massregeln bleibt es, dass von einem Kosakenhetman 1500, von anderer Seite aber sogar 6000 Pferde zum Preise von 12 Ducaten in loco, und 16 Ducaten jenseits der Grenze, der österreichischen Regierung zum Kaufe angeboten wurden. Ein näheres Eingehen in die Verhältnisse vor Ausbruch des Krieges, wie überaus interessant dies auch wäre, würde zu weit führen und jedenfalls über jene Grenzen hinausreichen, innerhalb welcher sich die vorliegende Abhandlung zu bewegen hat; indes dürften aber selbst die hier gegebenen allgemeinen Contouren zur Charakterisirung der damaligen Situation genügen. Für Österreich erwuchs aus ihr die Nothwendigkeit, sich ungeachtet aller diplomatischen Versicherungen Russland gegenüber wie gegen einen offenkundigen Gegner zu wahren, und in diesem Sinne wurden auch die militärischen Massregeln zur Sicherung Galiziens aufgefasst. Trotz der strengen Grenzsperre war man im kaiserlichen Hauptquartiere zu Lemberg von den Vorgängen in Russland sehr genau und viel besser unterrichtet, als in jenem Napoleon’s. Man wusste, dass Russland, unterstützt durch die jüngste Reorganisation der Armee, den Krieg besser vorbereitet habe, als je zuvor, und wenn man auch an keinen Einfall russischer Truppen in Galizien glaubte, als einer unnützen Provocation kräftiger Offeusiv- Massregeln unserseits, so wurden doch alle Vorkehrungen getroffen, selbst für das Eintreten einer solch’ unwahrscheinlichen Eventualität ‘). Der geographischen Situation entsprechend, konnte das Verhalten der Truppen in Galizien kein defensives sein, da hiebei alle Vortheile auf Seite des Gegners gefallen wären. Man hatte daher nur die Wahl, entweder dem .vordringenden Feinde entschlossen entgegenzugehen, wobei man jedoch Gefahr lief, im Falle eines ungünstigen Ausganges ihm das ganze Land bis an die Karpathen überlassen zu müssen und dabei fast alle Ärarialgüter, die in den verschiedenen Magazinen angehäuft waren, zu verlieren, oder man konnte eine mehr rückwärts gelegene, aber besser concentrirte Aufstellung nehmen, in der man sich so lange zu behaupten vermochte, bis die Depots und Magazine in Sicherheit gebracht worden wären “). Diesen Erwägungen folgend, nahm das Reserve-Corps eine Centralstellung bei Lemberg, von wo aus es in längstens zwei Märschen die eventuellen Angriffspunkte erreichen konnte, als welche man die Linie Sokal-Zolkiew-Brody-Busk-Gliniany, oder ein concentrisches Vorgehen des Gegners von Brody-Sokal voraussetzte. Der immobile Theil des Corps, das ist sämmtliche 3. Bataillone, wurden von der Grenze zurückgezogen. *) Oberstlieutenant Graf Latour an den Generalstabs-Cbef FML. Graf Radetzky. 2) Memoire des Oberstlieutenants Latour für FZM. Prinzen Reuss-Plauen, 2. April.