Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
welcher während des Marsches des Corps an die Zelwa, von Grodno his Mosti am Niemen marschirt war, erhielt den Auftrag, nach Bjelica vorzugehen, dort die Brücke herzustellen und den Marsch Tschitscliagofs auf der Strasse nach Nowogrudok auf das Lebhafteste zu beunruhigen. In Slonim angelangt, erfuhr Fürst Schwarzenberg, dass Tschi- tschagof schon am 6. und 7. dort eingetroffen sei und, 45.000 Mann stark, die Richtung nach Minsk genommen habe. Die grosse Überlegenheit an irregulärer Reiterei hatte den Admiral nicht allein in die Lage gesetzt, seinen Abmarsch von Brest-Litowski länger als dies sonst möglich gewesen wäre, geheim zu halten, sondern auch den weiteren Verlauf desselben in solcher Art zu verschleiern, dass es geradezu unmöglich wurde, sich genauere Nachrichten zu verschaffen. Indes war der Vorsprung nicht so gross, als dass es nicht möglich gewesen wäre, den Gegner noch einzuholen, wenn nicht die Ereignisse beim VII. Corps dem Gange der Dinge eine andere Wendung gegeben hätten. In der Nacht vom 13.—-14. November berichtete General Reynier, dass ihn der Feind am 13. bei Lofenica angegriffen habe und er sich mit einem Verluste von 20 Officieren und 560 Mann gegen Wolkowisk zurückziehen musste, wo er sich so lange wie möglich in der Voraussetzung zu halten versuchen werde, dass der Fürst zu seiner Hilfe herheieile. Gleichzeitig wurde auch bekannt, dass zwei Regimenter Kosaken und leichte Truppen unter General Witt in das Grossherzogthum eingefallen seien und das Land bi’and- schatzten. Dieser unerwartete Schlag wirkte entscheidend auf den ferneren Verlauf der Operationen. Nun, wo das Auxiliar-Corps im Rücken nicht mehr gesichert war, würde es durch ein weiteres Vorgehen alle seine Communicationen verloren und sich der Gefahr ausgesetzt haben, in dem von Ressourcen gänzlich entblössten Lande aufgeriehen zu werden. Durch eine Fortsetzung des Marsches wäre ferner das VII. Corps, vollständig isolirt, der Vernichtung preisgegeben worden, während das Grossherzogthum Warschau wehrlos dem Feinde überlassen blieb. Fürst Schwarzenberg musste daher die Verfolgung Tschitschagofs aufgeben und sich gegen jenen seiner Gegner wenden, der ihm zunächst als der gefährlichste erschien. Die Division Siegenthal und die Brigade Zechmeister erhielten am 14. den Auftrag, in Slonim stehen zu bleiben, starke Detachements gegen Neswiz vorzusenden und in Verbindung mit General-Major Mohr das Möglichste zu thun, um den Gegner in dem Glauben zu erhalten, dass das ganze Corps ihm folge. Mit dem Gros marschirte der Fürst am 15. bis Osernica zurück, wo ihm neuerlich die dringende Aufforderung Reynier’s um rasche Hilfe zukam. Treffen bei Izabelin. Das VII. Corps hatte hei Wolkowisk Stellung genommen, wo es durch die Unaufmerksamkeit der Vorposten 32 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Theilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps