Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 187 Manöver erzielen könnten, ohne sich der Gefahr anszusetzen (während der Bewegung), einzeln angegriffen zu werden, ausserdem die öster­reichische Armee durch den nothwendigen Schutz der Gegend von Freiburg nach wie vor verhindert sei, sich zu gleichem Zwecke weit von dort zu entfernen, der König zunächst angegriffen werden müsse. Bis hieher ist der Gedankengang des Schriftstückes ein natürlicher und in den bekannten Verhältnissen begründeter. Nun aber gewinnen zwei eigenartige Factoren Einfluss, und zwar 1. die Erfahrung, welche Laudon gerade vor einem Jahre bei Liegnitz gemacht hatte, und 2. die Unverlässlichkeit der Russen. Der Sinn der ferneren Vorschläge ist nämlich folgender: Weil combinirte Angriffe stets mit Gefahr ver­bunden sind, so soll nur einer der beiden Armeen die Hauptaufgabe des Angriffes zufallen, den sie ohne Rücksicht auf die andere auszu­führen hat. Damit sie dies jedoch mit Aussicht auf Erfolg thun könne, soll sie von Seite der anderen Armee entsprechend verstärkt werden, während letztere auf eigene Faust gleichzeitig an den Feind gehen, diesem wo möglich in die Flanke fällen oder ihm sonst Abbruch thun muss. Was die Durchführung betrifft, so bietet sich zunächst Laudon zur Ausführung dos Angriffes an, und verlangt hiezu eine Verstärkung von 20.000 bis 25.000 Mann Russen (zumeist Infanterie), welche mit den 40 Escadronen Martigni’s (dem linken Ufer) der Katzbach ent­lang nach Jauer rücken könnten. Um Buturlin leichter zur Annahme dieses Antrages zu bestimmen, macht Laudon das Zugeständniss, die russischen Truppen nicht unmittelbar zum Angriffe, sondern nur in zweiter Linie, als Unterstützung verwenden zu wollen. Als blosse Formalität mag es erscheinen, wenn der Feldzeugmeister sich für den Fall, als Buturlin es vorziehen sollte, den Angriff selbst zu unternehmen zur Absendung einer gleichen Verstärkung bereit erklärt. In weiterer Ausführung des ganzen Vorschlages spricht Laudon noch von einer Belagerung von Schweidnitz und Breslau — in späterer Zeit — natürlich für den Fall, dass der König, wie wahrscheinlich, geschlagen würde. Damit berührte Laudon jedenfalls ein Lieblings­thema des russischen Feldmarschalls. Dann folgt, für den Fall als dieser erste Vorschlag nicht ange­nommen würde, noch ein zweiter, welcher dahin geht, die Vereinigung der Verbündeten durch eine allgemeine Vorrückung in die Linie Hohen-Poseritz, Järischau, Merzdorf, Gross- oder Klein-Wandris, Kloster Wahlstadt zu erzielen. Hiebei war nur der russischen Armee eine Kampfthätigkeit zugedacht, durch welche die Verdrängung des auf dem Plateau von Kloster Wahlstadt stehenden Theiles der preussi- schen Armee, den man höchstens auf ein Drittheil der gesammten Truppenmacht des Königs schätzte, bewirkt werden sollte. Die öster­reichische Armee hätte, diesem Vorschläge gemäss, in der Nacht anf den 17. August vorrücken sollen, wäre also am Morgen des Mittheilungen des k. k; Kriegs-Archivs. 1884. 13

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