Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
188 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. bezeichneten Tages eine Meile (7-5km) vor der Front des preussiscken Gros erschienen, und dies hätte den Angriff der Russen jedenfalls wesentlich erleichtern müssen. Gegebenen Falls erwartete Laudon von dieser Unternehmung neben der Vereinigung den Vortheil, dass der König dadurch von Schweidnitz abgeschnitten und zugleich die eigenen Magazine gedeckt würden. Als Vorbereitung für die eventuelle Vorrückung wurden öster- reichischerseits die Punkte Kunzendorf, Hohen-Giersdorf und Burkersdorf durch das um 3 Bataillone verstärkte Corps des GFWM. Jahnus (im Ganzen wahrscheinlich 11 Bataillone, 4 Grenadier - Compagnien und 3 Escadronen) noch am 16. besetzt. Ausserdem wurde FML. Beck angewiesen, am 17. nach Liegnitz vorzurücken1), wohin das Corps, in Folge einer später eingelangten directen Aufforderung Buturlin’s, nach welcher dasselbe schon am Morgen des 17. dort eintreffen sollte, noch am 16. um 10 Uhr Abends aufbrach. Darauf beschränkten sich, nachdem auch die preussische Armee ruhig in ihrer Stellung blieb, die Ereignisse des Tages. Das österreichische Gros war, mittelbar aus Ursache des Eintreffens der Anfrage Buturlin’s am Morgen, wieder nicht nach Striegau vorgezogen worden, weil eine Bewegung der Armee, in Folge der, auf Laudon’s Vorschläge noch im Laufe des Tages zu erwartenden Entscheidung Buturlin’s, ohnedies unmittelbar bevorstand, und diese dann, ohne die Truppen vorher zu ermüden, unter Einem durchgeführt werden konnte. Anstatt der erwarteten Antwort erhielt aber Laudon am Abend die bestimmte schriftliche Aufforderung Buturlin’s, am 17. nach Jauer vorzurücken2). Sie war von der mündlichen Erklärung begleitet, dass sich die russische Armee, im Falle diesem Ansinnen nicht willfahrt würde, von Kunzendorf nicht weiter rühren werde ®). Dies wurde entscheidend für Laudon’s Beschluss, die österreichische Armee am folgenden Tage wirklich nach Jauer zu führen. *) *) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 52, Acten des Laudon’schen Corps. 2) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 50, Acten des Laudon’schen Corps. Das Schreiben lautet: „Ungeachtet ich nicht ermangelt hätte (ohne Zweifel hätte ich nicht ermangelt), Euer Excellenz Verlangen gemäss, mit der Armee gegen Jauer zu marschiren, um desto mehr, als Dieselben mich daselbst mit dem Proviant, dem gestrigen Versprechen nach, versichern. Da aber der Feind gegenwärtig wider mich stehet und zu einer vorzunehmenden Attaque Miene macht, ich hingegen hei dieser Beschaffenheit der Sachen durch den Feind dringen und mich exponiren müsste; so finde ich für unumgänglich nötliig, dass Euer Excellenz mit Ihrer ganzen Armee unverzüglich nach Jauer marschiren, annebst auch den Proviant für die hiesige Armee mitführen lassen möchten Durch diese Bewegung könnten wir ä portóé sein, die gemeinschaftlichen Operationen wider den Feind mit vereinigten Kräften ohne Zeitverlust vorzunehmen, für’s erste aber den Feind aus seiner jetzigen Position herauszudrängen; nicht minder könnten auch die zu Euer Excellenz Verfügung stehenden Magazine gedeckt und in Sicherheit gebracht werden. Ich erwarte hierauf eine vergnügliche Antwort.“ 3) Laudon’s Schreiben an Buturlin vom 20. August. Kriegs - Archiv 1761; Fase. VIII, 58, Acten des Laudon’schen Corps.