Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 179 stehen bleiben *). Ob dies eine Folge der Nachricht vom Eintreffen des Königs bei Canth war, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ermitteln. Nur so viel scheint sicher, dass die Meldung hierüber einlangte, nachdem Czernitschew den Fluss bereits passirt hatte. Sie drängte jedenfalls zur Entscheidung, und Caramelli’s Vorstellungen brachten es diesmal dahin, dass dieselbe schliesslich in einem der gemeinsamen Sache günstigen Sinne gefällt wurde, indem der Feld­marschall sich entschloss, die 3. Division noch im Laufe der folgenden Nacht, die beiden anderen aber am nächsten Morgen den Fluss übersetzen zu lassen* 2). In Folge dessen vereinigte sich die russische Haupt-Armee am 12. August in einer Stellung zwischen Dahme und Parchwitz, in welcher sie sich am 13. verschanzte. Liegnitz wurde am letzteren Tage dui’ch ein russisches Detachement besetzt. Mittlerweile hatte Laudon den GFWM. Graf Bottá am 11. August von Hohenfriedeberg aus — wie es scheint noch vor dem Eintreffen der Nachricht über den Marsch des Königs nach Canth — in’s russi­sche Hauptquartier entsendet, um Buturlin dazu zu veranlassen, dass er seine Bewegung zur Vereinigung fortsetze, nachdem dies momentan noch ohne jede Gefahr für die russische Armee durchführbar schien. Der Feldzeugmeister hatte seine guten Gründe für diese Forderung, denn zu dieser Zeit musste, wie dies aus der bisherigen Darstellung hervorgeht, die Anhäufung von Vorräthen am Gebirgsrande bereits eingeleitet sein, und, für den ausgiebigsten Schutz der letzteren zu sorgen, hatte Laudon umsomehr Ursache, als die Vereinigung — an und für sich — und der davon erhoffte Erfolg in diesem Augenblicke grösstentheils von der Möglichkeit abhingen, die beiden Armeen in nächster Zeit zu erhalten. Es ist also vollkommen begreiflich, dass Laudon nicht ohne Noth eine Durchkreuzung seiner diesbezüglichen Massnahmen riskiren und die Gegend, in welcher sich die betreffenden Vorbereitungen vollzogen, einer Bedrohung durch den Gegner aus­setzen wollte, indem er sie mit seinem Gros verhess, um den Russen entgegen zu gehen. Dass diese Vorbereitungen erst jetzt, in einer augenblicklich unerwarteten Richtung durchgeführt werden mussten und dadurch geradezu eine Beschränkung der Operationsfreiheit der österreichischen Armee bedingten, war, wie schon gezeigt, nicht Laudon’s Schuld, sondern die Folge von Buturlin’s kaum zu rechtfertigendem Vorgehen. Ein weiteres Motiv für die Handlungsweise des Feldzeug­meisters ist dem Berichte desselben an den Kaiser vom 12. August3) zu entnehmen, wo er die Befürchtung ausspricht, dass der König, *) Bericht Caramelli’s vom 12. August. Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 36, Acten des Laudon’schen Corps. 2) Bericht Fine’s vom 12. August. Kriegs-Archiv 1761; Fase. Vili, 8, Acten des Hofkriegsrath.es. 3) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 35, Acten des Laudon’schen Corps.

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