Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

180 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. wenn man ihm Gelegenheit gäbe, sich im Gebirge (nächst Schweidnitz) festzusetzen, aus dieser Stellung nicht leicht wieder herauszubringen wäre. Da Laudon, mit Rücksicht auf die Eigenthümlichkeiten der da­maligen Taktik, wünschen musste, die nach Vereinigung der Ver­bündeten dem Könige voraussichtlich zu liefernde Schlacht im Flach­lande auszukämpfen, so erscheint auch dieser Beweggrund berechtigt. Am 13. August begab sich Laudon, nachdem er am 12., auf die Nachricht vom Eintreffen des Königs bei Canth, das Corps Martigni’s zuerst nach Oels, dann aber, in Folge einer später zu berührenden Veranlassung, bis in eine Stellung zwischen Striegau und Stanowitz (2‘6km sö. Striegau), den FML. Luszensky mit seiner Cavallerie auf den Pitschen-Berg (2 Meilen [15km] onö. Striegau), in der Nacht zum 13. endlich noch die ganze Reserve der Armee, 10 Grenadier- Bataillone, 20 Escadronen Carabiniers und Grenadiere zu Pferde, nach Striegau vorgezogen, somit in der Gegend dieser Stadt 30 Bataillone, 4 Grenadier - Compagnien und 81 Escadronen mit 100 Geschützen vereinigt hatte, von dort persönlich nach Heidau in’s russische Haupt­quartier. Die Vorstellungen Botta’s hatten ihren Zweck nicht erreicht; die Situation war auch eine wesentlich andere geworden und Laudon konnte von Buturlin billigerweise nicht mehr verlangen, als eine solche Annäherung an die österreichische Armee, welche diese der Nothwendigkeit überheben würde, sich zum Zwecke der Vereinigung vom Gebirgsrande bei Freiburg weiter als einen Marsch (das ist etwa bis Jauer) zu entfernen, so dass diese Armee im Stande wäre, im Falle der Nothwendigkeit rechtzeitig zum Schutze der bezeichneten Gegend herbeizueilen. Diese Anforderung aber musste Laudon mit Rücksicht auf die oben angeführten Gründe im Interesse der gemein­samen Sache unbedingt stellen, umsomehr, als die Russen überhaupt nur einen starken Marsch (4 Meilen [30km]) von dem nach Striegau vorgeschobenen Tlieile der österreichischen Armee entfernt standen, somit von Seite der ersteren auf eine eventuelle Unterstützung durch diesen gerechnet werden konnte. Dieses Verhältniss hätte sich im Falle der Einwilligung Buturlin’s insofern wesentlich verbessert, als, nachdem das Gros Laudons eben nur bis zur Erzielung einer end- giltigen Verabredung mit dem russischen Feldmarschall bei Ivunzendorf noch belassen worden war, hienach die ganze österreichische Armee zu einer etwa nothwendig werdenden Hilfeleistung bereitgestellt worden wäre. Was anderseits die russische Armee festhielt, war der Vormarsch des Königs von Canth am 12. August, welcher auch zur Veranlassung der Concentrirung bedeutenderer Kräfte bei Striegau seitens der Öster­reicher geworden war. Am 11. durch den neuerlichen Mangel an Nachrichten zu einem Stillstände genöthigt, der seinen ermüdeten Truppen zugute kam, hatte der König die Armee erst am Morgen des 12. — wie preussi-

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