Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

178 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Laudon von übereilten Schritten zurückzuhalten, und am 10. August erfolgten daher von Seite desselben nur weitere Vorbereitungen für die Vereinigung, indem er noch 11 Bataillone, 20 Escadronen unter FML. Graf Martigni nach Hohenfriedeberg vorschob und gleichzeitig den in der Gegend von Zittau stehenden FML. Beck aufforderte, mit seinem Corps gegen Goldberg vorzurücken. Unterdessen stand König Friedrich in Folge des Mangels an sicheren Nachrichten über dasjenige, was auf Seite seiner Gegner vor­ging, seit dem 5. August bei Strehlen. Die ihm zugegangene Meldung, dass die Russen im Begriffe seien, die Oder bei Auras zu überschreiten, bewog ihn endlich am 9. zur Einleitung einer Unternehmung gegen das russische Magazin in Posen, zu welchem Zwecke im Laufe des bezeichneten Tages unter den Generalen Platen und Gablenz 9 Batail­lone, 16 Escadronen nach Breslau abgingen. Ehe jedoch diese Unter­nehmung in ein weiteres Stadium der Entwickelung gelangen konnte, erhielt der König in der Nacht auf den 10. August, durch den Com- mandanten von Schweidnitz, die Nachricht vom Eintreffen Laudon’s bei Kunzendorf, welche, im Zusammenhalte mit dem über die Russen in Erfahrung Gebrachten, die Absicht seiner Gegner wahrscheinlich machte, sich nächst Neumarkt zu vereinigen. Dies bewog König Friedrich, am 10., zeitlich Morgens, sein Gros gegen Canth in Marsch zu setzen und auch den unter Knobloch, Platen und Gablenz in und nächst Breslau befindlichen Truppen den Befehl zum Abrücken nach dem genannten Orte zu ertheilen. In Folge dessen verfügte der König am Abende des 10. August bei Canth wieder über seine gesammte Kraft, nämlich 641/,, Bataillone und 111 Escadronen ') mit wahrscheinlich 286 Geschützen. Hievon hatte man am Morgen des 11. August im russischen Hauptquartier noch keine Kenntniss, wie dies aus einem Berichte Finé’s vom 12.2) hervorzugehen scheint. Dennoch war man dort von der beschlossenen Überschreitung der Oder wieder zurückgekommen, und erst die Mittheilungen Laudon’s, vom 10. August, wurden Veranlassung, dass der Übergang von Neuem in der früher geplanten Weise fest­gesetzt wurde. Gleichzeitig liess man den Feldzeugmeister auffordern, gegen Striegau vorzurücken3). Czernitschew ging nun wirklich mit 10 Infanterie-Regimentern, 4 Cavallerie-Regimentern und den zugehörigen leichten Truppen über den Fluss und nahm bei Dahme Aufstellung. Nun trat jedoch abermals ein Schwanken in dem Entschlüsse Buturlin’s ein und er wollte mit dem Gros wieder auf dem rechten Oder-Ufer *) *) Angabe des preussischen Generalstabs-Werkes, Band 5/1, Beilage XII. 2) Kriegs-Arcliiv 1761; Fase. VIII, 12 g, Acten des Hofkriegsrathes. 3) Bericht Caramelli’s vom 11. August. Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 34, Acten des Laudon’schen Corps.

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