Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 177 und erreichte mit dem Gros der Armee in einem Marsche (von 6 Meilen [45'5km]) die Höhen zwischen Freiburg und Bögendorf. Brentano ging bis nach Striegau vor und besetzte die Höhen im Nordwesten der Stadt. Ein Huszaren-Detachement wurde sofort weiter, in der Richtung auf Leubus vorgesendet, nachdem ein im Hauptquartier zu Kunzen- dorf eingetroffenes Kosaken-Piket die Meldung überbrachte, dass Czerni- tschew bei jenem Orte bereits angelangt, das russische Gros aber an Breslau westwärts vorübergezogen sei '). Ein anderes Corps der österreichischen Armee, vermuthlich unter GFWM. Jalinus 2), besetzte Hohen- friedeberg; FML. Luszensky endlich nahm bei Polnisch-Weistritz Aufstellung. Eine unmittelbare Fortsetzung der Bewegung des Gros gegen Leubus, welcher Ort nach der vorerwähnten Meldung zum Ubergangspunkte russischerseits ausersehen schien 3), hätte nun allerdings, wenn mit gleicher Raschheit ausgeführt, und wie man die Sache jetzt zu beurtheilen vermag, mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Vereinigung geführt, ehe der König dazwischentreten konnte; dies bedingte aber für Laudon das zeitweilige Aufgeben seiner Basis, ohne dass er bei dem Mangel an Zeit Vorsorge in anderer Richtung treffen konnte. Hiezu trat, sobald der Feldzeugmeister von den jüngsten Anforderungen Buturlin’s hinsichtlich der Verpflegung der russischen Armee Kenntniss erhalten hatte, höchst wahrscheinlich der weitere, einem raschen Vormarsche hinderliche Umstand, dass das für den Transport der verlangten Lebensmittelvorräthe nothwendige Fuhrwerk noch nicht zur Stelle war, nachdem man österreichischerseits in letzter Zeit alle Vorbereitungen ohne Zweifel hauptsächlich mit Rücksicht auf die Vereinigung in Ober-Schlesien getroffen hatte. Dies bedingte auch die Unmöglichkeit, den in Rede stehenden Forderungen der Russen momentan zu genügen. Unter solchen Verhältnissen konnte aber Laudon auf den Oder-Übergang Buturlin’s, der an und für sich noch sehr in Frage stand — auch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit — nicht mehr rechnen, geschweige denn, dass man hoffen durfte, den russischen Feldmarschall bereit zu finden, dass er, mit Laudon vereint, dem Könige sofort eine Schlacht liefere, durch welche man österreichischerseits die Verbindung mit der eigenen Basis unmittelbar nach der Vereinigung wieder hätte gewinnen müssen. Diese Umstände waren also jedenfalls geeignet, ') Diese Meldung war bezüglich des Corps Czeruitschew verfrüht, wie dies aus dem Berichte Fine’s vom 12. August (Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 2 g, Acten des Hof-Kriegsrathes) hervorgeht. 2) Jahnus befehligte um diese Zeit 8 Bataillone, 4 Grenadier-Compagnien und 4 Escadronen, d. i. circa 6300 Mann mit 24 Geschützen. 3) Caramelli’s Bericht vom 8. August, welcher die Nachricht vom Entschlüsse Buturlin’s zum Oder-Übergange bei Leubus enthielt, langte am 9. in Laudon’s Hauptquartier bestimmt nicht ein; dagegen ist es wahrscheinlich, dass dies bis zum Morgen des 11. geschah.