Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
176 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. am Nachmittage des 6. August, trafen endlich die lange ersehnten Nachrichten von der russischen Armee ein ') und es wurde Laudon klar, dass die Bewegung der preussischen Armee schon eine Folge des Abmarsches der Russen gegen Breslau und Auras gewesen sei2). Das Vorgehen Buturlin’s hatte Laudon also nicht nur die Möglichkeit benommen, rechtzeitig seine für die Vereinigung in Nieder-Schlesien nothwendigen Vorbereitungen zu treffen, sondern es erwuchsen daraus auch für die Erfüllung der jüngsten russischen Forderungen von vornherein dieselben Schwierigkeiten, welche das Aufgeben der Vereinigung über Schurgast veranlasst hatten. Zu dem Zeitpunkte, wo Laudon von dem neuen Plane Buturlin’s Kenntniss erhielt, konnte er auch schon nicht mehr verhindern, dass sich der König mit seiner ganzen Kraft neuerdings und überall zwischen die beiden Armeen einschiebe. Unter solchen Umständen wird es begreiflich, dass die Erwartungen, welche der Feldzeugmeister an die combinirten Operationen mit den Russen geknüpft hatte, sowie sein Vertrauen in die russische Heeresleitung überhaupt, vollständig schwanden. Laudon war von vornherein mit der Vereinigung unterhalb Breslau nicht einverstanden gewesen. Umsomehr beklagte er den letzten Fehlgriff Buturlin’s, denn bei rechtzeitiger Benachrichtigung wäre er, durch die Bewegung des Königs gegen Ober-Schlesien begünstigt, in der Lage gewesen, ungehindert nach Strehlen zu rücken. Dadurch hätte der Feldzeugmeister einerseits die Russen zur Überschreitung der Oder nächst Ohlau bewegen können, anderseits aber den König zum Angriffe genöthigt, was er sehnlichst wünschte. Dass Laudon sich zu jener Bewegung gewiss entschlossen hätte, geht sowohl aus seinen letzten Vorschlägen, als speciell auch noch aus dem Schreiben desselben an den Grafen Kaunitz vom 6. August hervor. Die günstige Gelegenheit war nun versäumt und dies konnte nicht mehr wettgemacht werden, weil der König zur Zeit wieder nahezu seine ganze Armee vereinigt hatte. Laudon fasste also den Entschluss, sich der Gegend von Auras, als derjenigen zu nähern, welche man — der letzten Nachricht aus dem russischen Hauptquartier zufolge — daselbst für die Vereinigung in Aussicht genommen hatte, und ebenso ging er unverweilt daran, die nothwendig gewordenen neuen Vorbereitungen für die Vereinigung zu treffen. Am 7. verfügte er demgemäss zunächst die Heranziehung von 5 Bataillonen und 8 Escadronen des in Ober-Schlesien befindlichen, wieder gegen Neustadt vorgerückten Corps, mit welchen FML. Draskovich die Defilb-Ausgänge bei Wartha und Silberberg sichern sollte; in der Nacht zum 9. August aber brach er auf ') Dies geht aus dem Vergleiche der beiden suli 17t!l; Fase. VIII, 17 und 19, Acten des Laudon’schen Corps, im Kriegs-Archive erliegenden Schriftstücke hervor. 2) Schreiben Laudon’s an Kaunitz vom 6. August. Kriegs - Archiv 1761; Fase. VIII, 19, Acten des Laudon’schen Corps.