Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 175 Zeit mit ziemlicher Bestimmtheit angenommen zu haben, die Bussen würden Oder-aufwärts marschiren; wenigstens weist darauf die im vorbezeichneten Berichte ausgesprochene Absicht hin, den König über die Neisse herüberzuziehen und ihn dadurch von der oberen Oder zu entfernen. Aber noch ehe in dieser Richtung etwas geschehen war, setzte sich König Friedrich am 4. August plötzlich sehr eilfertig in Bewegung, überschritt die Neisse zunächst der Festung gleichen Namens und marschirte nach einem kurzen Aufenthalte auf den Höhen bei Griesmannsdorf mit dem Gros bis nach Schönbrunn, südöstlich von Strehlen, fort. Das Corps Zieten gelangte, der Armee folgend, bis Niclasdorf. General Knobloch, der schon am Vortage mit 7 Bataillonen, 5 Escadronen nach Breslau aufgebrochen war, traf über Grottkau bei Hermsdorf ein. Zu diesen Massnahmen hatten den König theilweise die ihm bereits am 3. August zur Kenntniss gelangten Anzeichen über eine Bewegung der Russen Oder-abwärts, ganz besonders aber die, in der That unrichtige Meldung über eine Vorrückung Lau don’s gegen Münsterberg veranlasst. Aus dem Zusammenhalte dieser Nachrichten glaubte nämlich der König auf die Absicht der Verbündeten, sich bei Strehlen zu vereinigen, bestimmt schliessen zu müssen. Obgleich noch am 4. Abends ohne alle sichern Nachrichten vom Feinde, war die Überzeugung des Königs: Laudon bei Strehlen zu finden — eine so feste, dass er am Morgen des 5. seine gesammten verfügbaren Streitkräfte, 63 % Bataillone, 97 Escadronen, zum Angriffe auf den dort vermutheten Gegner in Bewegung setzte. Nachdem er Laudon daselbst nicht antraf, durch die Erreichung des Punktes Strehlen, zwischen den muthmasslichen Stellungen der beiden Gegner, für den Moment jedoch wenigstens etwas gewonnen zu haben glaubte, war der König zunächst wieder auf den Schutz Breslau’s bedacht, vor dessen Mauern das Corps Czernitschew bereits am 2. August eingetroffen war. Er liess daher am 5. Abends Knobloch mit 7 Bataillonen und etwa 9 Escadronen dahin aufbrechen, wo dieser General am 6. August eintraf. Während also die Bewegung des Königs nach Strehlen schon durch den Marsch der Russen mit veranlasst worden war, wusste Laudon von letzterem noch immer nichts, wie aus seinem Berichte an den Kaiser vom 6. August *) unzweifelhaft hervorgeht. Nur die einlaufenden Meldungen über die Bewegung des Königs bestimmten ihn, am 4. in seine alte Stellung südwestlich Frankenstein zum zweiten Male zurückzukehren und Brentano, der den Marsch des Königs cotoyirte, wieder auf die Höhen bei Stolz, dessen Cavallerie aber noch weiter vorwärts, gegen Kloster Heinrichau zu postiren. Nach Absendung des vorcitirten Berichtes, also wahrscheinlich erst *) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 17, Acten des Laudon’sclien Corps.