Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

174 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. meister, um einem weiteren Vordringen des Königs nach Ober-Schlesien Einhalt zu thun, demselben zu folgen. Zu diesem Zwecke wurden Detachements unter den Generalen Luszensky und Jalinus auf den Hasen - Berg (3'8km s. Ottmachau), beziehungsweise nach Steinberg unverzüglich vorgeschoben und ihnen folgte das Gros in der Nacht. Dasselbe bezog am 31. ein Lager bei Barzdorf, das Corps Brentano’s ein solches am linken Neisse-Ufer, nahezu in gleicher Höhe mit dem Gros. An demselben Tage kehrte der König, nachdem sich die Meldungen über eine Bewegung Laudon’s gegen Neustadt nicht bestätigt hatten, Draskovich aber zurückgegangen und somit die Verwendung so bedeu­tender Kräfte gegen denselben überflüssig geworden war, mit 11 Batail­lonen, 25 Escadronen nach Oppersdorf zurück, während Zieten mit 17 Bataillonen, 35 Escadronen bei Neustadt stehen blieb. Das preussi- sche Gros nahm hienach eine gegen früher veränderte Aufstellung, mit der Front gegen Südwest, welche verschanzt wurde. Hieher zog der König am 1. August auch die 12 Bataillone des Corps Knobloch. Laudon recognoscirte diese Stellung an dem letztbezeichneten Tage, um sich über die Ausführbarkeit eines Angriffes zu orientiren, fand sie aber zu stark. Da seine eigene Stellung nicht in gleichem Masse für die Verteidigung günstig und weiter vorwärts keine bessere zu finden war, vertauschte er dieselbe am 2. August mit einer solchen zwischen Weisswasser und Patschkau. Das Corps Brentano’s kam nach Ober-Pomsdorf. Inzwischen war Zieten in der Nacht auf den 2. aufgebrochen, um Draskovich noch weiter zurückzudrängen. Das preussische Corps rückte über Rosswald gegen Jägerndorf vor, fand aber Draskovich bereits auf dem Rückzuge nach Bennisch. Zieten blieb daher bei Jägerndorf stehen und trat in der Nacht auf den 3. den Rückmarsch nach Neustadt an, während Draskovich wieder nach Jägerndorf vor­rückte. Überblickt man die vorstehend geschilderten Operationen Laudon’s seit dem 20. Juli, so muss man zugestehen, dass sie mehr durch negative, als durch positive Merkmale charakterisirt sind, und wenn sie dem Könige den Eindruck der Planlosigkeit machten, so kam ei­der Wahrheit hiebei insofern ziemlich nahe, als ein positives Ziel, das erst aus den ferneren Entschlüssen und Massnahmen der Russen entspringen konnte, in der That abging. Aus einem Berichte Laudon’s an den Kaiser vom 3. August') weiss man, dass bis zu diesem Tage jede Nachricht über die ferneren Absichten der Russen fehlte und der Feldzeugmeister daher in der Hauptsache zum Abwarten verurtheilt blieb. Laudon scheint um diese ') Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 14, Acten des Laudon’schen Corps.

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