Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

170 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. sowie von der Absicht, (eventuell) Breslau und dann Glogau zu be­lagern, wozu Laudon die nöthige Artillerie herbeischaffen und die Belagerung decken solle. Das waren jedoch Dinge, die man öster- reichischerseits offenbar nicht ernst nehmen konnte. Abweichend von dem bisherigen Vorgehen der Russen, folgte dem gefassten Beschlüsse diesmal die Ausführung auf dem Fusse, und man wartete nicht einmal den Zeitpunkt ab, zu welchem Laudon die bezüg­liche Verständigüng erhalten haben konnte. Am 2. August schon setzte sich nämlich die russische Armee Oder-abwärts in Bewegung, und das neuerdings um einige Infanterie-Regimenter verstärkte Corps Czernitschew traf noch am selben Tage vor Breslau ein. Am 4. schloss sich das russische Gros, welches über Mühlatschtitz und Krichen marschirt war, an dasselbe vor Breslau an. Den 6. rückte Czernitschew nach Kunzendorf und das Gros Buturlin’s setzte sich, ohne dass es zu einem „Versuche“ auf die schlesische Hauptstadt gekommen wäre, eben auch gegen Peterwitz in Bewegung, als General Knobloch, der am 28. Juli von Breslau zur Armee des Königs abgerückt war, mit 7 Bataillonen und etwa 8 Escadronen neuerdings im Bereiche dieser Festung, und zwar am rechten Oder- Ufer erschien. In Folge dessen entspann sich zwischen den Truppen des genannten Generals und der vor Breslau stehen gebliebenen russischen Nachhut eine Kanonade, welche Buturlin veranlasste, seine sämmtlichen leichten Truppen unter General Berg umkehren und zur Nachhut stossen zu lassen, welche letztere erst am 7. der Armee folgte. In Peterwitz blieb Buturlin abermals stehen, um einen am 8. eintreffen­den Proviant-Transport (mit der Verpflegung bis inclusive 17. August) zu erwarten. Hienach Bollte dio Oder, wie dies in erster Linie in Aussicht genommen worden war, bei Auras überschritten werden; allein der Feldmarschall hielt das kleine Corps Knobloch’s für die Avantgarde des Königs; dieser letztere dünkte ihm daher schon zu nahe zu sein und man beschloss also, weiter nach Leubus zu marschiren *). Die bis zum Morgen des 8. August von Laudon aus Patschkau eingetroffenen Nachrichten über die Situation am 3., nach welchen das Gros der preussiscllen Streitkräfte sich an diesem Tage südöstlich Neisse, also in Ober-Schlesien befand, vermochten keine Äuderung an der Disposition für den Weitermarsch herbeizuführen, und die Wirkung jener Nachrichten äusserte sich nur in dem Be­schlüsse, dass Czernitschew am 11., das Gros am 12. August die Oder bei Leubus überschreiten sollten. Wiewohl man sich um Laudon in den letzten Tagen nicht weiter gekümmert hatte, verband man mit der Kundgebung des eben an­geführten Entschlusses von russischer Seite auch schon wieder die t) Bericht Caramelli’s vom 6. August. Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 24, Acten des Laudon’sclien Corps.

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