Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 171 Forderung, Laudon möge sich mit Buturlin unmittelbar nach dessen Oder-Ubergang bei Leubus vereinigen und dem Feldmarschall zugleich den zur Verpflegung der russischen Armee vom 18. August an noth- wendigen Proviant zur Verfügung stellen. Der Charakter dieser For­derung bedarf wohl keines weiteren Commentars, als des Hinweises auf die den Russen bekannte Situation vom 3., sowie den Umstand, dass auf die Übermittlung des betreffenden Schriftstückes an Laudon vor dem 11. oder 12. August überhaupt nicht mit Sicherheit gerechnet werden konnte '). Caramelli knüpft in seinem Berichte vom 8. August* 2) an die bezügliche Mittheilung den Ausspruch, dass es wohl das Schlimmste wäre, was Laudon den Russen anthun könnte, wTürde er wirklich, wie gefordert, nach Leubus kommen; , denn jene wollten weder die Ver­einigung, noch irgend welche Operation mit vereinigten Kräften. Der Oder-Übergang wird in diesem Berichte überhaupt als die äusserste zu erwartende Leistung der Russen hingestellt. Mit der Ausführung desselben glaubten diese Alles erfüllt, wozu sie sich verpflichtet hätten. Dass nun erst die Lösung der eigentlichen Aufgabe beginne, davon wäre, wie Caramelli versichert, keine Rede. Am 9. August marschirte indess das russische Gros, wie beschlossen, nach Riemberg, am 10. nach Klein-Kreidel, während Czernitschew am letztgenannten Tage mit seinem Corps Leubus erreichte und daselbst den Brückenschlag bewirken Hess. Während die russische Haupt-Armee bereits in der eben beschrie­benen Weise Oder-abwärts zog, waren Laudon’s Massnahmen, da er von den letzten Entschlüssen Buturlin’s vorläufig noch keine Kenntniss hatte, nach wie vor auf die Vereinigung oberhalb Breslau gerichtet. Zunächst veranlasste ihn die Verdrängung des Obersten Barco von Oppeln, zur Verstärkung des in eine Stellung zwischen Schnelle­walde und Wiese zurückgegangenen Corps Bethlen durch 2 Bataillone und 8 Escadronen, um dasselbe in den Stand zu setzen, die Ver­bindung mit den Russen herzustellen. Am 25. Juli ging Oberst Barco demgemäss mit 400 Reitern neuerdings nach Oppeln vor und traf hier ein russisches Cavallerie-Detacliement, welches am 23. nach dem Ab­züge der Preussen daselbst eingetroffen war. Die Cavallerie der Ver­bündeten wurde indess am 25. durch überlegene preussische Kräfte nochmals zur zeitweiligen Räumung der Stadt genöthigt. Zieten ent­sandte nämlich an diesem Tage General Schmettau mit 3 Bataillonen und etwa 13 Escadronen in der Richtung auf Oppeln. Von diesen *) Alle in letzter Zeit zwischen den beiden Hauptquartieren gewechselten Correspondenzen waren mindestens 4 Tage unterwegs gewesen. Zudem wurde das in Rede stehende Schreiben erst am Abende des 8. August expedirt. 2) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 28, Acten des Laudon’sclien Corps. Mittkeilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1884. 12

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