Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
1(16 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Heinrichau vor'). Noch am Abend des 21. lief die, in der That unrichtige Meldung ein, dass sich der König neuerdings in Marsch gesetzt habe und auf der Strasse „von Strehlen nach Neisse“ vorrücke 2). Hieran knüpft Laudon in seinem Berichte an den Kaiser vom 21.“) nachstehende Bemerkung: „Sollte nun derselbe diese Nacht hindurch solchen (seinen Marsch) continuiren, so kann ich demselben, vermöge des Terrains, welches er schon gewonnen, von gedachter Festung (Neisse) nicht mehr ahhalten, sondern muss mich damit begnügen lassen, selbigem so weit wie immer thunlich nachzugehen und meine Position so zu nehmen, dass mein rechter Flügel an die Neisse angelehnt und die Stadt Patschkau mir im Rücken bleibe, um über selbige die Zufuhr sicher zu haben, bis ich in Erfahrung bringe, an welchen Ort des Oder-Flusses die Russen sich nähern und wo sie den Übergang zu bewirken willens sind.“ Seinen Weg wollte Laudon über Münsterberg nehmen und am 22. vorläufig ein Lager am rechten Ohlau-Ufer, zwischen Münsterberg und Eichau beziehen4). Inzwischen hatte König Friedrich, welcher um diese Zeit die Absicht seiner Gegner vorausgesetzt zu haben scheint, sich über Oppeln zu vereinigen, wirklich beschlossen, seinen Marsch am 22. in der Richtung auf Neisse bis Gross-Karlowitz fortzusetzen. Seine Armee brach um 2 Uhr Morgens 5), in drei Colonnen formirt, auf, deren südlichste über Tarchwitz, an Alt-Heinrichau nördlich vorüber, durch Kloster Heinrichau und sodann an Münsterberg vorbei instradirt war. Die Spitze dieser Colonne erreichte wahrscheinlich um 4 Uhr, bei beginnender Morgendämmerung, bereits Kloster Heinrichau. Diesem Umstande, sowie dem weiteren, dass starker Regen den Gesichtskreis auch nach Eintritt der Dämmerung beschränkte, ist es zuzusclireibon, dass man auf österreichischer Seite lange über Richtung und Ziel der feindlichen Bewegung nicht in’s Klare kam, vor allem aber der falschen Voraussetzung nicht ledig wurde, dass ein Theil der preussi- schen Armee die Oldau bereits passirt und jenseits derselben Stellung genommen habe, um den Marsch des Gros zu decken, das unerwartet in einer Entfernung von 5km an dem österreichischen rechten Flügel vorüberzog. Dies geht aus dem Berichte Laudon’s an den Kaiser vom 23. Juli“) hervor, wo gesagt wird, dass man „auf einmal“ gewahr wurde, wie das preussische Gros an Kloster Heinrichau links vorbei *) Operations-Journal Laudon’s. Kriegs-Archiv 1760; Fase. XIIÍ, 24, Acten des Laudon’gclien Corps. 2) Der Glauben, welchen diese Meldung fand, wird begreiflich, wenn man erfährt., dass die Laudon früher zugekommenen Nachrichten besagten, der König sei Nachmittag zwischen Nimptsch und Strehlen stehen geblieben. 3) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VII, 83, Acten des Laudon’schen Corps. 4) Marschzettel im Operations-Journale Laudon’s. 5) Preussisches Generalstabs-Werk. Band 5/1, Seite 228. “) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VII, 87, Acten des Laudon’schen Corps.