Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Dor Feldzug 1701 in Schlesien und Sachsen. 167 jenem Theile der Armee folgte, welcher die Anhöhen jenseits Münsterberg schon erreicht haben sollte. Brentano hatte sich um diese Zeit bereits in Bewegung gesetzt, um den Marsch des Königs zu cotoyiren, doch wurden die bei Kloster Heinrichau aufgestellten Posten desselben, ehe sie unterstützt werden konnten, von den Preussen zurückgedrängt. Laudon Hess nun zunächst das aus 10 Bataillonen und 20 Escadronen bestehende Grenadier - Corps in der Richtung auf Münsterberg vorrücken, um durch dasselbe im Vereine mit Brentano seine rechte Flanke decken zu lassen. Zu einem allgemeinen Angriffe schien Laudon die Gegend nicht günstig; wahrscheinlich war die Zeit auch nicht mehr vorhanden, die Armee, während ihr das preussische Gros die Flanke bot und voraussichtlich erreichbar blieb, zum Angriffe zu formiren, und so beschränkte sich der Feldzeugmeister darauf, die feindlichen Colonnen durch Artillerie beschicssen und der Nachhut des Königs seine leichten Truppen folgen zu lassen. Zugleich wurde der Abmarsch des österreichischen Gros, dessen rechter Flügel vorläufig auf die Höhen von Bärwalde zurückgenommen worden war, auf die, Patschkau nördlich gegenüberliegenden Höhen eingeleitet. Die preussische Armee hatte während der Ausführung der bezüglichen Anordnungen Laudon’s die Oldau passirt und die Anhöhen östlich Münsterberg erreicht, von wo aus man das Anrücken des österreichischen Grenadier-Corps wahrnahm. Dies veranlasste den König zu dem Glauben, dass Laudon ihn anzugreifen beabsichtige, und er liess deshalb die südlichste Colonne zwischen Münsterberg und Nossen aufmarschiren, die beiden anderen bei Eichau, beziehungsweise Weigelsdorf (‘/2 Meile [3‘8k’"] nnö. Eichau) halten. Als man jedoch den Abmarsch der österreichischen Armee in südlicher Richtung gewahr wurde, setzte auch König Friedrich seinen Marsch nach Gross-Karlowitz fort. Dort stiessen 10 Escadronen vom Corps Knobloch’s zur Armee. Am 23. veränderte letztere in Folge Wassermangels bei Gross-Karlowitz ihre Stellung und bezog eine solche zwischen Giesmannsdorf und Woitz. Die beiden Corps Zieten und Knobloch hatte die Nachricht vom Eintreffen der Russen zu Wartenberg eben zum Marsche Oder-aufwärts veranlasst, so dass am 23. ersteres zu Löwen, letzteres zu Falkenberg eintraf. An demselben Tage wurde auch schon das Detachement des Obersten Barco durch überlegene preussische Abtheilungen von Oppeln verdrängt und zog sich nach Krappitz zurück. Im österreichischen Hauptquartier erhielt man von dem Marsche der bisher bei Breslau gestandenen feindlichen Streitkräfte noch im Laufe des 23. Konntniss, und wusste also am 24., als das Resultat des am 20. im russischen Hauptquartier abgehaltenen Kriegsrathes (siehe Seite 161) eintraf, dass die gesammte Armee des Königs nunmehr auf der eigenen Vorrückungslinie gegen Schurgast so gut wie vereinigt stehe, und der in Aussicht genommene Ubergangspunkt der