Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 143 Was die nächste Verwendung der für Laudon bestimmten Verstärkungen betrifft, so dachte man nicht daran, das Gros derselben sofort zu dem Corps des Feldzeugmeisters stossen zu lassen, nachdem man es weder für wünschenswert!», noch der vielen Festungen wegen für möglich hielt, dass Laudon vor Ankunft der Russen in Schlesien etwas Entscheidendes unternehme, wohl aber eine nützliche Verwendung dieser Truppen an anderer Stelle thunlich schien. Vorläufig sollte demnach ein Corps von 30.000 Mann in der Gegend von Zittau versammelt werden, um den Gegner über die eigentliche Absicht der Verbündeten im Unklaren zu erhalten. Dasselbe konnte dann eventuell unmittelbar zu der russischen Armee stossen, von welcher man annahm, dass sie über Frankfurt a. d. Oder und sodann am linken Ufer dieses Flusses vorrücken würde, weil eine Vereinigung derselben mit Laudon über Breslau, sobald der König sich zwischen die beiden Armeen eingeschoben hatte, voraussichtlich gi'ossen Schwierigkeiten begegnen musste. Diesseits der Oder, dachte man, würde die so verstärkte Armee des Feldmarschalls Buturlin den Marsch nach Schlesien rasch ausführen können und jedenfalls der Nothwendigkeit des Übei’ganges über einen grossen Fluss im nächsten Operationsbei’eiche des Gegners enthoben sein. Neben diesen Zwecken sollte die Aufstellung des Corps bei Zittau endlich noch die Möglichkeit bieten, rasch nach jeder Seite Hilfe bringen zu können, insbesondere wenn der König etwas gegen Laudon und die Festung Glatz unternehmen würde. In Sachsen war der Krieg, wie schon bemerkt, im Allgemeinen in defensiver Weise zu führen, wiewohl die Kaiserin in dem Cabinet- Schreiben vom 11. Mai ausdrücklich betont, dass, wenn sich Gelegenheit zu einer Offensive mit den daselbst verfügbaren Kräften ergeben sollte, solche ohneweiters benützt werden möge. In gleicher Art sollte auch die Reichs-Armee, deren Oberbefehl G. d. C. Graf Serbelloni am 28. April übernommen hatte, verwendet werden, doch war man überzeugt, dass diese nicht so bald operationsfähig sein werde, und hielt es daher dem eigenen Interesse am angemessensten, die Reichstruppen sich selbst zu übeidassen und das Coi’ps des FML. Guasco an die Elbe zu ziehen. Dies schien umsomehr gei’athen, als durch die mit 5. Mai begonnene Absendung von Truppen nach Schlesien und der Lausitz das Gros der Armee des Feldmarschalls Daun erheblich geschwächt wurde. Die eben erwähnten Ki'äfteverschiebungen vollzogen sich in nachstehender Weise: Auf die am 5. Mai unter GFWM. Baumbach über Leitmeritz abgerückten 6 Bataillone, 6 Grenadier - Compagnien und 12 Geschütze, dann die am 8. von Zittau aufgebrochenen 6 Escadronen unter GFWM. Gourcy, folgten am letzteren Tage, als sich die Absicht des