Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

134 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. die sich noch in den Winterquartieren in Mecklenburg, südlich der Recknitz und Trebel befanden. Uber Stärke und Vertheilung der Besatzungstruppen in den festen Plätzen und sonstigen Garnisonen fehlen verlässliche Daten. So weit die vorliegenden Anhaltspunkte reichen, hatten die den Ver­bündeten zunächstliegenden Festungen, beziehungsweise befestigten Orte, folgende Besatzungen, und zwar: Leipzig 3 Bataillone, Wittenberg 1 Bataillon (von den Truppen des Königs), Torgau 2 Bataillone (von den Truppen des Königs), Glogau 5 Bataillone, Breslau wahrscheinlich 6 Bataillone, 1 Escadron, Brieg 1 Bataillon, Cosel wahrscheinlich 4 Bataillone, Schweidnitz 7 Bataillone, Neisse 7 Bataillone und 2 Escadronen, Colberg endlich 4 Bataillone. Wie das Vorstehende zeigt, war die preussische Feld-Armee wieder auf den Stand von beiläufig 100.000 Mann') gebracht, doch hatte dies nur die äusserste, rücksichtsloseste Energie möglich gemacht, mit welcher König Friedrich die Aufbringung der nothwendigen Kriegsmittel in den ihm zugänglichen, beinahe gänzlich erschöpften Gebieten betreiben liess. Trotzdem war das erwähnte Resultat nur in Folge der Passivität seiner Gegner erreichbar gewesen, welche ihm ausserdem die Aus­beutung der thüringischen Länder durch relativ schwache Corps im März und April möglich machte. Charakteristisch für die Verhältnisse, wie für die Mittel, zu welchen König Friedrich seine Zuflucht nahm, ist ein Befehl desselben, womit er dem Commandauten eines dieser Corps, dem General Schenkendorf, unter dem 13. März Auftrag er- theilte, der Reichs-Armee 1600 Gefangene abzunehmen, um mit den­selben die Completirung der preussischen Truppen zu vollenden. Wenn aber auch auf diese Weise, der Zahl nach, die Reihen des preussischen Heeres wieder vollzählig wurden, so blieb doch in Bezug auf dessen inneren Werth Vieles zu wünschen übrig, und das Bild, welches der nachmalige Feldmarschall von Möllendorf in seinen Briefen über den Zustand der eigenen Armee entwirft, ist, wie begreiflich, durchaus kein erfreuliches. Vormarsch Lau don’s in Schlesien. Mit dem 22. April lief die Kündigungsfrist des Waffenstillstandes in Schlesien ab, und schon am frühen Morgen des 23. begann Laudon seine Vorrückung. Er hatte am Tage vorher sein Gros bei Braunau concentrirt ') Nach Bernhardi, „Friedrich der Grosse als Feldherr“, 106.000 Mann, und zwar exclusive einiger noch in der Formation begriffenen Frei-Batailloue; davon 90.000 Mann in Sachsen und Schlesien, 16.000 Mann gegen das Corps Tottleben in Pommern und unter dem Prinzen von Württemberg im Meeklenliurg’schen.

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