Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

128 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Erkaltung der Beziehungen zwischen den beiden Mächten herbeizu- führen geeignet waren. Trotz der wachsenden Schwierigkeiten traf jedoch König Friedrich mit der ihm eigenen Energie seine Massregeln, wiewohl es scheint, dass er um diese Zeit an der glücklichen Lösung seiner Aufgabe zu verzweifeln begann. Ein nach vielem Bemühen am 2. April 1761 mit der Pforte abgeschlossener Freundschafts- und Handelsvertrag vermochte die Lage Preussens in keiner Weise zu verbessern, denn wie sich später zeigen wird, erzielte er gerade das Gegentheil von dem, was Friedrich wünschen konnte. Vorbereitungen zur Fortsetzung des Krieges;Vertheilung der beiderseitigen Streitkräfte vor Eröffnung desFeld­zuges. Die Eigenthümlichkeiten der im Vorstehenden skizzirten poli­tischen Situation: „Friedensverhandlungen, verbunden mit der militäri­schen Losung: die Operationen ehemöglichst zu beginnen und mit dem grösstmöglichsten Nachdrucke fortzusetzen“, bedingten in mili­tärischer Beziehung die gewiss ebenso eigenthümliche Folge, dass die Verbündeten zur Eröffnung des Feldzuges schritten, ohne die Berathungen über den Operationsplan zum Abschlüsse gebracht zu haben. Was Russland betraf, so hatte man von dort bisher nur die Absicht kundgegeben, bei Beginn des Feldzuges gegen Colberg vorzu­gehen und dieses neuerdings anzugreifen, nach Eroberung desselben aber gegen die untere Oder vorzurücken und Stettin oder Küstrin zu belagern. Österreich hatte zu diesem selbständigen Vorgehen vorläufig seine Zustimmung ertheilt, nachdem der letzte Feldzug neuerdings gelehrt hatte, wie wenig auf einen Erfolg combinirter Operationen mit der russischen Armee zu zählen sei. Bezüglich der österreichischen Kriegsvorbereitungen ist zu be­merken, dass sich die Kaiserin zwar, wie in früheren Jahren, die Gutachten der höheren Generale über die Operationen des kommenden Feldzuges hatte vorlegen lassen, dass man jedoch, trotz manchen hiemit gebotenen guten Gedankens *), vorläufig zu keinem anderen Ent­schlüsse gekommen war, als den Gegner in Sachsen und Schlesien zu beschäftigen. Eine entscheidende Wendung brachte in dieser Beziehung erst die Klarstellung des politischen Programmes, und nun entschloss *) So schreibt z. B. Feldmarschall Fürst Wenzel Liechtenstein im Gegensätze zu den meisten der, viele Bogen umfassenden Projecte von zweifelhaftem Werthe kurz und gut: „Es scheinet, dass man mit Belagerungen und Lander-Eroberungen sich nicht aufhalten, sondern den Feind zu schlagen trachten solle. Ohne dem gehen die Belagerungen nicht von statten und die Conquétes wiederum verloren.“ Kriegs- Archiv 1761; Fase. XIII, 21, Cabinets-Acten.

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