Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 129 man sich zwar zur sofortigen Eröffnung der Operationen, um bis zum 1. Mai so viel Land als nur immer möglich zu besetzen — nachdem man erwartete, dass der factische Besitzstand zu diesem Zeitpunkte die Basis der Friedensverhandlungen bilden werde — doch lag hierin auch noch kein eigentlicher Operationsplan '). Indess ergaben sich doch bestimmte leitende Grundsätze für die Vertheilung der österreichischen Streitkräfte auf dem Kriegstheater, und bis zu einem gewissen Grade auch für deren nächste Verwendung in Folge der Entschlüsse der französischen Regierung. Anfangs Mai sollten nämlich zwei französische Armeen von 100.000, beziehungs­weise 70.000 bis 80.000 Mann vom Rhein und Main die Offensive ergreifen. Um ihre Operationen zu begünstigen und speciell die rechte Flanke der letzteren Armee zu decken, war von Seite Frankreichs an Österreich die Aufforderung ergangen, den König von Preussen an der Entsendung eines stärkeren Corps nach Thüringen zu hindern. Dies bewog Maria Theresia, die Hauptkraft in Sachsen zu belassen und den Feldmarschall Graf Daun, welchem das Commando über die­selbe am 12. Februar, trotz mancher Bedenken, neuerdings übertragen worden war, anzuweisen, die Operationen den Anforderungen des französischen Hofes gemäss einzurichten8). Feldzeugmeister Freiherr von Laudon3) erhielt unter dem 14. April Befehl, den mit General- Lieutenant Goltz abgeschlossenen Waffenstillstand zu kündigen und seine Vorrückung in Schlesien zu beginnen4). Die Aufkündigung erfolgte hienach tliatsächlich am 18. April. Zu dieser Zeit war die Vertheilung und Verfassung der beider­seitigen Streitkräfte folgende: Am Nieder - Rhein sammelte sich die Armee des Feld­marschalls Prinzen von Soubise, für welche 112 Bataillone, 119 Escadronen und 5000 Mann leichter Truppen bestimmt waren, zwischen dem neu befestigten Rees und Düsseldorf. Die Armee des Feldmarschalls Herzog von Broglie, welche aus 85 Bataillonen, 78 Escadronen und 5000 Mann leichter Truppen bestehen sollte, stand grösstentheils in Cantonnirungen längs des unteren Main. Sie war durch eine Offensive des Herzogs von Braunschweig im Februar genöthigt worden, bis hieher zurückzugehen. Ein im März erfolgter Rückschlag brachte zwar Alles nahezu auf den früheren Stand der Dinge zurück, doch hatte Broglie es vorgezogen, ') Schreiben Kaunitz’ an Laudon vom 4. April. Kriegs-Archiv 1761; Fase. IV, 19, Acten des Laudon’sehen Corps. a) Cabinet-Schreiben der Kaiserin an Feldmarschall Daun vom 28. April. Kriegs-Archiv 1761; Fase. IV, 5, Cabinets-Acten. 3) Seit der Erhebung in den österreichischen und Reichs-Freiherrenstand im Jahre 1759 schreibt sich der Feldzeugmeister eigentlich „Loudon“. *) Cabinet-Schreiben der Kaiserin an Laudon vom 14. April. Kriegs-Archiv 1761; Fase. IV, ad 38, Acten des Laudon’sclien Corps.

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