Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799
') Kriegs-Archiv 1799; Fase. III, 9 und 55* V 2) Kriegs-Archiv 1799; Fase. III, 55’ 4, 60, 72. wurde der General von französischer Cavallerie, welche mit den Flüchtigen gleichzeitig in die Stadt gelangt war, unter dem Stadtthore gefangen genommen. Die Franzosen machten zahlreiche Gefangene und erbeuteten die ganze Artillerie, die Bagage und alle Yorräthe. Zum Glücke hatte der Gegner hei Ems keinen Angriff unternommen. Der Rest der Österreicher zog sich von Chur über Lenz, und von Ems über Tusis und Fürstenau gegen Bergün im obersten Albula-Thale, ohne einheitliche Leitung. Auch durch das Prättigau gegen das Montafoner Thal nahmen Flüchtlinge ihren Weg, um der Gefangenschaft zu entgehen. Dagegen waren die im Vorder-Rheinthale detachirten Compagnien abgeschnitten und gefangen worden. Von allen diesen unglücklichen Ereignissen in Graubünden wusste man im Hauptquartier Hotze’s am Abend des 7. März nichts Bestimmtes; die eingelaufenen Rapporte widersprachen sich. Man hielt jedoch die Truppen in Graubünden für verloren *). Erst nach mehreren Tagen erfuhr Hotze die Anwesenheit von Versprengten bei Bergün, welche sich für ihr weiteres Benehmen die Befehle erbaten, weil Niemand von ihnen des Landes kundig war. Die Gesammtverluste der Österreicher am 6. und 7. März betrugen: d) in Vorarlberg: 20 Officiere, 1079 Mann, 47 Pferde, 4 Kanonen; h) in Graubünden: 60 Officiere, 2808 Mann, 43 Pferde, 10 Kanonen sammt Pulverkarren und der ganzen Bespannung. Von den als gefangen oder vermisst Ausgewiesenen rückten jedoch viele nach kurzer Zeit wieder zum Corps in Vorarlberg ein *). Die Verluste des Gegners mögen sich auf 4000 Mann belaufen haben. So waren die Franzosen in zwei Tagen dahingelangt, die in der Proclamation vom 6. März erhobene Forderung der Räumung Grau- btindens gewaltsam erzwungen zu haben. Durch die gleichzeitige Besitznahme des Vaduzischen und des Luziensteiges gegen Vorarlberg gesichert, konnten sie die zur völligen Einnahme des Landes noch noth- wendigen Operationen ohne Aufenthalt durchführen. Aus dem Clevischen, Veltlinischen und der Grafschaft Bormio her unterstützt, waren die Franzosen bald Meister des Ober- und grösstentheils auch des Unter- Engadin. Was sich von den Truppen Auffenberg’s dahin geflüchtet hatte, und was sonst an Streitkräften der Österreicher im Engadin lind auf den gegen Süden ziehenden Verbindungen aufgestellt war, wurde grösstentheils gefangen genommen. Da man in Tirol auf solche rapide Erfolge der Franzosen nicht gefasst war, vermochte man nichts Wesentliches ihrem Fortschreiten entgegenzustellen. FML. Bellegarde hatte kaum Zeit, seine in aus-