Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799

gedehnten Cantonnirungen im Inn-Tliale und Yintschgau befindlichen Truppen zusammenzuziehen. So bemeisterten sich die Franzosen auch des Unter-Engadins bis Martinsbruck, und indem sie auf glückliche Erfolge ihrer in Schwaben und Ober-Italien operirenden Armee mit Sicherheit rechneten, setzten sie kühn die Vorrückung nach Tirol fort. FML. Bellegarde ward trotz seiner zahlreichen Armee gezwungen, sich auf die Defensive zu beschränken. Mangel an Localkenntniss, geringe Vorsicht und die Wahl ungünstiger Stellungen Hessen diese Vertheidigung zu keinen glücklichen Erfolgen gelangen. Denn am 25. März bemächtigte sich der Gegner der Stellungen bei Martinsbruck, Nauders, Finstermünz und bei Tauffers, drang in das Inn-Thal und das Vintschgau vor und, indem er bis auf einige Stunden vor Landeck rückte, bedrohte er die Verbindungen zwischen Vorarlberg und Tirol. Die Siege des Erzherzogs Carl bei Ostrach und Stockach und des FML. Kray an der Etsch setzten dem weiteren Vordringen der Franken gegen das Innere von Tirol Schranken. Das Urtheil des Generalstabs-Hauptmanns Mayer über die Krieg­führung der Österreicher in dem oben geschilderten Zeitabschnitte ist nachfolgendes: „Als die wesentlichsten Fehler, welche in der ersten Periode dieses Krieges begangen wurden, wären zu bezeichnen“: „1. Dass die vom Grafen Bellegarde für die Vertheidigung Graubündens angetragenen und nothwendig befundenen Truppen, in der Stärke von 12.000 Mann, weder im Lande selbst, noch ä portée standen“ ; „2. dass die Wahl der Truppen-Aufstellung und die Bestimmung der wichtigsten Positionen der damaligen Lage Graubündens nicht angemessen war“ ; „3. dass man die Magazine in Folge des unter „2“ erwähnten Fehlers nicht an zweckmässigen Punkten errichtete“; „4. dass, nachdem doch der baldige Friedensbruch vorauszusehen war, im letzten Momente die Truppen gewechselt wurden, die neuan- gekommenen mit dem Terrain gänzlich unbekannt waren“; „5. dass österreichischerseits der allgemeine Operationsplan nicht bestimmt und festgesetzt war, ungeachtet an einem baldigen Bruche von Niemandem mehr gezweifelt werden konnte“; „6. dass das für Tirol als Reserve beantragte Corps von 50.000 Mann zu stark war und zu ausgedehnte Cantonnirungen bezogen hatte. Statt die Truppen in den verschiedenen Thälern der Peripherie Biindens ohne alle Verbindung zu zerstreuen, wäre es zweckent­sprechender gewesen, die weit vorspringenden Punkte nur durch wenige und schwache Avisoposten der k. k. Truppen beobachten und durch das freiwillige Aufgebot der Bündner besetzen zu lassen.“

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